Laborwert

Albumin im Serum: Normalwert, erhöht oder niedrig

Gesamteiweiß 58 g/l mit Albumin 28 g/l erzählt etwas völlig anderes als Gesamteiweiß 90 g/l mit Albumin 42 g/l und breiter Gamma-Bande. Albumin ist das mengenmäßig größte Protein im Serum. Es hält Flüssigkeit im Gefäß und transportiert unzählige Stoffe, von Hormonen über Bilirubin bis zu Medikamenten. Doch ein niedriger Wert ist kein einfacher Ernährungsmarker. Dahinter stecken viel häufiger Entzündung, eine Lebererkrankung oder ein Eiweißverlust über Niere oder Darm. Und im Eiweißprofil ist Albumin der Schlüssel: Erst sein Wert verrät, ob ein auffälliges Gesamteiweiß von fehlendem Albumin oder von vermehrten Globulinen kommt.

Was ist Albumin-Wert?

Albumin ist das mengenmäßig wichtigste Protein im Blutplasma. Es wird in der Leber gebildet und macht einen großen Anteil des Gesamteiweißes aus. Kurz: Hauptprotein des Serums. Nicht nur Ernährungswert. Albumin hält den kolloidosmotischen Druck aufrecht, bindet viele Stoffe und beeinflusst die Interpretation anderer Laborwerte. Niedriges Albumin kann Ödeme begünstigen, weil Flüssigkeit leichter aus den Gefäßen ins Gewebe übertritt. Im Gegensatz zu Immunglobulinen ist Albumin kein Antikörper. Im Unterschied zu Gesamteiweiß zeigt Albumin nur eine Proteinfraktion; die Differenz zwischen Gesamteiweiß und Albumin entspricht grob den Globulinen. Genau diese Differenz wird wichtig, wenn Immunglobuline, Entzündung oder Paraproteine im Raum stehen.

Bedeutung im Stoffwechsel

Albumin wird in der Leber synthetisiert und hat eine relativ lange Halbwertszeit. Der Serumwert hängt deshalb nicht nur von Produktion ab, sondern auch von Verteilung, Verlust, Abbau, Entzündung und Flüssigkeitsstatus. Bei Entzündung sinkt Albumin als negatives Akute-Phase-Protein, während CRP und andere Akute-Phase-Proteine steigen können. Bei nephrotischem Syndrom geht Albumin über den Urin verloren. Bei proteinverlierender Enteropathie geht es über den Darm verloren. Bei Leberzirrhose kann die Synthese vermindert sein. Bei Dehydratation kann Albumin scheinbar erhöht wirken. Albumin bindet Calcium; deshalb muss Gesamt-Calcium bei niedrigem Albumin vorsichtig interpretiert werden. LOINC 1751-7 beschreibt Albumin als Massenkonzentration in Serum oder Plasma.

Referenzbereich

GruppeBereichEinheit
Erwachsene, Serum-Albumin, orientierendca. 35-50g/l
Mild erniedrigt30-34g/l
Deutlich erniedrigt< 30g/l
Stark erniedrigt< 25g/l
Erhöht> 50g/l
LOINC-MessgrößeAlbumin [Mass/volume] in Serum or Plasmag/l oder g/dl

Methode & Variabilität: Erwachsene, Serum-Albumin, orientierend: Serumchemie, häufig Bromkresolgrün- oder Bromkresolpurpur-Farbstoffbindung; Labor, Methode, Hydratation, Entzündung, Leberfunktion, Nierenverlust und Schwangerschaft beeinflussen den Wert · Mild erniedrigt: Serum-Albumin plus Gesamteiweiß und Entzündungswerte; Entzündung, Verdünnung, frühe Leber- oder Verlustkonstellationen prüfen · Deutlich erniedrigt: Serum-Albumin plus Urinprotein, Leberwerte, CRP und klinischer Status; Ödeme, nephrotisches Syndrom, Leberzirrhose, schwere Entzündung und Eiweißverlust stärker bedenken · Stark erniedrigt: Serum-Albumin mit Ursachenabklärung; kritische Erkrankung, schwere Lebererkrankung, massiver Eiweißverlust oder ausgeprägte Verdünnung möglich · Erhöht: Serum-Albumin plus Hämatokrit, Natrium, Harnstoff und Flüssigkeitsstatus; meist Hämokonzentration oder Dehydratation; echte Überproduktion ist selten · LOINC-Messgröße: LOINC 1751-7, Serum oder Plasma; Albumin-LOINC vor Veröffentlichung live prüfen und passend zu Methode (BCG/BCP), Matrix und Einheit wählen

Was kann ein erhöhter Albumin-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Dehydratation ist die häufigste Ursache eines scheinbar erhöhten Albumins. Durch Flüssigkeitsmangel werden Albumin, Gesamteiweiß, Harnstoff, Hämatokrit und teils Natrium konzentrierter gemessen.
  • Hämokonzentration durch Erbrechen, Durchfall, starkes Schwitzen, Diuretika oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann Albumin relativ erhöhen.
  • Eine echte krankhafte Albumin-Überproduktion ist selten. Deshalb sollte ein hoher Albuminwert zuerst als Volumen- und Konzentrationsthema geprüft werden.

Typische Symptome

  • Durst, trockene Schleimhäute oder stehende Hautfalten bei Flüssigkeitsmangel
  • Schwindel, niedriger Blutdruck oder schneller Puls
  • Dunkler Urin oder geringe Urinmenge
  • Gewichtsverlust über wenige Tage bei Wasserverlust
  • Beschwerdefreiheit bei nur leichtem, zufälligem Anstieg

Abklärung

Erhöhtes Albumin wird meist mit Flüssigkeitsstatus, Hämatokrit, Natrium, Harnstoff, Kreatinin/eGFR und Gesamteiweiß abgeglichen. Wenn Albumin und Gesamteiweiß beide erhöht sind, spricht das eher für Hämokonzentration. Wenn Gesamteiweiß hoch ist, Albumin aber normal, rücken Globuline, Immunglobuline oder Paraprotein stärker in den Vordergrund.

Was kann ein niedriger Albumin-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Entzündung und schwere Erkrankung senken Albumin häufig, weil Albumin ein negatives Akute-Phase-Protein ist und sich Verteilung sowie Gefäßdurchlässigkeit verändern. Ein niedriger Wert bedeutet deshalb nicht automatisch Eiweißmangel.
  • Lebererkrankungen können Albumin senken, wenn die Syntheseleistung eingeschränkt ist. Besonders bei Zirrhose, chronischer Leberinsuffizienz oder fortgeschrittener Lebererkrankung ist Albumin prognostisch relevant.
  • Eiweißverlust über die Niere senkt Albumin, besonders beim nephrotischen Syndrom. Typisch sind Proteinurie, Ödeme, niedriger Albuminwert und oft erhöhte Lipide.
  • Eiweißverlust über den Darm, schwere Mangelernährung, Malabsorption, Verbrennungen, Exsudate, Aszites, Verdünnung durch Infusionen oder Schwangerschaft können Albumin ebenfalls senken.

Typische Symptome

  • Beinödeme, Lidödeme oder Gewichtszunahme durch Flüssigkeitseinlagerung
  • Aszites oder Bauchumfangszunahme bei Leber- oder Eiweißverlustkontext
  • Schaumiger Urin bei starker Proteinurie
  • Durchfall, Gewichtsverlust oder Mangelzeichen bei Darmverlust oder Malabsorption
  • Müdigkeit, Schwäche oder schwere Grunderkrankungssymptome

Abklärung

Niedriges Albumin sollte mit Gesamteiweiß, CRP, Blutbild, Leberwerten, INR, Bilirubin, Kreatinin/eGFR, Urinstatus, Urin-Albumin/Kreatinin-Quotient oder Protein/Kreatinin-Quotient, Lipiden und klinischem Flüssigkeitsstatus bewertet werden. Albumin niedrig plus CRP hoch spricht oft für Entzündung oder schwere Erkrankung. Albumin niedrig plus Proteinurie und Ödeme lenkt zur Niere. Albumin niedrig plus Leberzeichen und Gerinnungsstörung lenkt zur Leber. Albumin niedrig plus Durchfall und Gewichtsverlust öffnet die Darmverlust- oder Malabsorptionsspur.

Verlauf unter Therapie

Albumin verändert sich langsamer als CRP, aber bei akuter schwerer Erkrankung kann der Wert durch Entzündung, Verdünnung und Gefäßleck rasch fallen. Ein einzelner niedriger Wert trennt daher nicht Produktion, Verlust und Verteilung. Im Verlauf hilft die Richtung: Albumin steigt oft erst, wenn Entzündung, Flüssigkeitsbilanz, Leberleistung oder Proteinverlust besser kontrolliert sind. Bei nephrotischem Syndrom sollte Albumin mit Proteinurie und Ödemen verfolgt werden. Bei Leberzirrhose wird Albumin zusammen mit INR, Bilirubin, Natrium, Kreatinin und klinischen Komplikationen bewertet. Bei Immunglobulin- oder Paraproteinfragen ist Albumin wichtig, weil Gesamteiweiß trotz niedrigem Albumin normal oder hoch sein kann, wenn Globuline stark erhöht sind. Das Albumin-Globulin-Verhältnis kann deshalb Hinweise geben, ersetzt aber keine Elektrophorese.

Präanalytik: was den Wert beeinflusst

Albumin wird meist aus Serum oder Plasma bestimmt. Nüchternheit ist nicht erforderlich. Wichtig sind Hydratation, Infusionen, Schwangerschaft, akute Entzündung, Lebererkrankung, Nierenerkrankung, Proteinurie, Darmverlust, Verbrennungen und kürzliche Albumininfusion. Stauung bei Blutabnahme kann Proteine leicht konzentrieren. Methodenunterschiede sind relevant: Bromkresolgrün kann Albumin in manchen Situationen anders schätzen als Bromkresolpurpur; bei schwerer Erkrankung, Niereninsuffizienz oder ungewöhnlichen Proteinmustern können methodische Unterschiede sichtbar werden. Verlaufskontrollen sollten möglichst im gleichen Labor erfolgen. Bei Paraproteinen oder starker Hypergammaglobulinämie sollte Albumin zusammen mit Elektrophorese beurteilt werden.

Albumin-Wert: Konstellation mit weiteren Blutwerten

Albumin macht Gesamteiweiß interpretierbar. Gesamteiweiß niedrig plus Albumin niedrig spricht für Proteinmangel, Verdünnung, Verlust oder verminderte Synthese. Gesamteiweiß normal plus Albumin niedrig kann durch erhöhte Globuline verdeckt sein. Gesamteiweiß hoch plus Albumin normal oder niedrig lenkt auf Immunglobuline, Entzündung oder Paraprotein. Albumin niedrig plus IgG/IgA/IgM hoch passt eher zu polyklonaler oder monoklonaler Globulinzunahme als zu isoliertem Albuminproblem. Albumin niedrig plus Urinprotein hoch spricht für renalen Verlust. Albumin niedrig plus CRP hoch spricht für Entzündung. Albumin niedrig plus INR hoch und Bilirubin hoch spricht stärker für Leberfunktionsstörung. Freie Leichtketten und Kappa-Lambda-Quotient brauchen Albumin nicht zur Berechnung, aber Albumin hilft, Gesamteiweiß- und Paraproteinmuster klinisch einzuordnen.

  • gesamteiweiss — Gesamteiweiß zeigt Albumin plus Globuline; Albumin trennt Proteinverlust von Globulinvermehrung.
  • igg-wert — IgG erklärt erhöhte Globulinfraktion und kann niedriges Albumin im Gesamteiweiß überdecken.
  • iga-wert — IgA hilft bei polyklonaler oder monoklonaler Eiweißvermehrung, besonders wenn Albumin niedrig ist.
  • igm-wert — IgM ergänzt die Globulin- und Paraprotein-Einordnung bei verändertem Albumin/Gesamteiweiß.
  • freie-leichtketten-kappa — Freie Leichtketten helfen bei klonalen Plasmazellprozessen, auch wenn Gesamteiweiß und Albumin unscheinbar wirken.
  • kreatinin — Kreatinin/eGFR helfen, renale Ursachen und Proteinurie-Kontexte bei niedrigem Albumin einzuordnen.

Wichtiger Einordnungshinweis

Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.

Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert

Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung

Häufige Fragen zu Albumin-Wert

Quellen

  1. Thomas L (Hrsg.) (2020): Labor und Diagnose, 9. Auflage — Plasmaproteine / Serum-Eiweiß-Elektrophorese / Immunglobuline. ISBN 978-3-9805645-7-8 · Kapitel Plasmaproteine / Serum-Eiweiß-Elektrophorese / Immunglobuline.
  2. Regenstrief Institute (LOINC) (2026): Albumin [Mass/volume] in Serum or Plasma. https://loinc.org/1751-7
  3. Gesundheitsportal Österreich (BMSGPK) (2024): Immunsystem / Immunglobuline. https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/immunsystem/inhalt.html
  4. NCBI StatPearls (Moman RN, Gupta N, Singh C, Varacallo MA) (2026): Physiology, Albumin. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459198/
  5. National Library of Medicine (NIH MedlinePlus) (2024): Albumin Blood Test. https://medlineplus.gov/lab-tests/albumin-blood-test/
  6. Rajkumar SV, Dimopoulos MA, Palumbo A, et al. (IMWG) (2014): International Myeloma Working Group updated criteria for the diagnosis of multiple myeloma. DOI 10.1016/S1470-2045(14)70442-5 · PMID 25439696. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25439696/