Laborwert

D-Dimere: Normalwert, erhöht, Thrombose-Ausschluss

D-Dimere sind ein Laborwert, der vor allem durch das bekannt ist, was er ausschließen kann. Ein normaler Wert macht eine tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie bei Menschen mit niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit sehr unwahrscheinlich. Ein erhöhter Wert beweist dagegen wenig. D-Dimere steigen immer dann, wenn im Körper Fibrin gebildet und wieder abgebaut wird, und das geschieht bei vielen Situationen: nach Operationen, bei Infektionen, Krebserkrankungen, in der Schwangerschaft und einfach mit zunehmendem Alter. Der Test ist also sehr empfindlich, aber wenig spezifisch. Genau deshalb wird er nur gezielt eingesetzt, nach einer ärztlichen Einschätzung der Wahrscheinlichkeit und nicht als allgemeiner Suchtest. Diese Seite erklärt, wie D-Dimere entstehen, welche Grenzwerte gelten und warum ein erhöhter Befund häufig keine Thrombose bedeutet.

Was ist D-Dimere?

D-Dimere sind Bruchstücke von quervernetztem Fibrin. Wenn Blut gerinnt, entsteht aus Fibrinogen ein Fibrinnetz, das der Gerinnungsfaktor XIII zusätzlich stabil verknüpft. Der Körper baut dieses Netz über das Enzym Plasmin wieder ab. Dabei entstehen Spaltprodukte, in denen zwei sogenannte D-Domänen verbunden bleiben: die D-Dimere. Ihr Nachweis zeigt also, dass Gerinnung und anschließender Abbau stattgefunden haben. Wo im Körper das passiert ist und warum, verrät der Wert nicht. Gemessen wird im Citratplasma mit immunologischen Verfahren, meist automatisierten Latex-Tests oder Immunoassays. Die Testsysteme sind nicht einheitlich standardisiert. Manche Labore geben die Werte in Fibrinogen-Äquivalent-Einheiten (FEU) an, andere in D-Dimer-Einheiten (DDU); Werte in FEU sind ungefähr doppelt so hoch wie in DDU. Auch mg/l, µg/l und ng/ml kommen vor. Ein Vergleich zwischen Laboren ist deshalb nur mit Blick auf Einheit und Methode möglich.

Bedeutung im Stoffwechsel

Gerinnung und Auflösung von Gerinnseln laufen im Körper ständig in kleinem Umfang ab. Deshalb finden sich auch bei gesunden Menschen geringe Mengen D-Dimere. Bei einer Thrombose oder Lungenembolie entsteht viel Fibrin, das der Körper sofort abzubauen beginnt; die D-Dimere steigen deutlich an. Dasselbe passiert aber auch bei jeder Wundheilung, bei Blutergüssen, bei Entzündungen, bei Tumorerkrankungen und in der Schwangerschaft. Im Alter nimmt die Grundaktivität zu, weshalb die Werte ohne Krankheit ansteigen. Die Halbwertszeit der D-Dimere im Blut beträgt nur einige Stunden. Ein hoher Wert zeigt daher einen fortlaufenden Prozess an. Unter einer wirksamen Gerinnungshemmung oder bei einer schon länger bestehenden Thrombose können die Werte wieder sinken, was die Aussagekraft des Tests verringert.

Referenzbereich

GruppeBereichEinheit
Erwachsene bis 50 Jahre, gebräuchlicher Ausschluss-Grenzwert< 0,5mg/l FEU (= 500 µg/l FEU)
Erwachsene über 50 Jahre, altersangepasster GrenzwertAlter in Jahren × 10 (z. B. 70 Jahre: < 700)µg/l FEU
Umrechnung FEU und DDUWert in FEU ≈ 2 × Wert in DDUNäherung
Schwangerschaftphysiologisch ansteigend, kein allgemein gültiger Normbereichmg/l FEU

Methode & Variabilität: Erwachsene bis 50 Jahre, gebräuchlicher Ausschluss-Grenzwert: quantitativer, hochsensitiver Immunoassay im Citratplasma; methoden- und laborabhängig; manche Labore verwenden andere Grenzwerte (z. B. < 0,4 mg/l) oder DDU-Einheiten · Erwachsene über 50 Jahre, altersangepasster Grenzwert: altersadaptierter Cut-off nach S2k-Leitlinie Venenthrombose und Lungenembolie bzw. ADJUST-PE-Studie; nur zusammen mit niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit anwendbar; für den Test validiert, den das Labor verwendet · Umrechnung FEU und DDU: abhängig vom Kalibrator des Testherstellers; Grenzwert immer mit der Einheit des eigenen Labors vergleichen · Schwangerschaft: Immunoassay; Anstieg über die Trimester; angepasste Abklärungswege werden in Leitlinien beschrieben

Was kann ein erhöhter D-Dimere-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Tiefe Venenthrombose und Lungenembolie: Hier steigen die D-Dimere typischerweise deutlich an. Ein erhöhter Wert allein genügt aber nicht für die Diagnose, sie wird mit Bildgebung wie Kompressionsultraschall oder CT-Angiographie gestellt.
  • Operationen, Verletzungen, Knochenbrüche, größere Blutergüsse und die ersten Wochen nach der Geburt führen regelmäßig zu erhöhten Werten.
  • Infektionen und Entzündungen, etwa Lungenentzündung, Sepsis oder COVID-19, sowie aktive Tumorerkrankungen gehen häufig mit erhöhten D-Dimeren einher.
  • Schwangerschaft: Die Werte steigen von Trimester zu Trimester physiologisch an.
  • Höheres Lebensalter, Krankenhausaufenthalt, Bettlägerigkeit, Lebererkrankungen und eingeschränkte Nierenfunktion erhöhen die Werte ohne Thrombose.
  • Verbrauchskoagulopathie (disseminierte intravasale Gerinnung): D-Dimere sind hier stark erhöht und Teil der Bewertungsscores, zusammen mit Thrombozyten, INR und Fibrinogen.
  • Seltener, aber wichtig: Eine akute Aortendissektion kann mit erhöhten D-Dimeren einhergehen und ist ein Notfall.

Typische Symptome

  • Erhöhte D-Dimere selbst verursachen keine Beschwerden
  • bei Beinvenenthrombose: meist einseitige Schwellung, Spannungsgefühl, Schmerz, Überwärmung oder bläuliche Verfärbung des Beines
  • bei Lungenembolie: plötzliche Atemnot, Schmerzen beim Atmen, schneller Puls, Husten, eventuell mit Blut, Schwindel oder Ohnmacht
  • Warnzeichen: Plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Bluthusten, Ohnmacht oder ein akut geschwollenes, schmerzhaftes Bein erfordern sofort ärztliche Hilfe oder den Notruf, unabhängig von einem Laborwert

Abklärung

Ob ein erhöhter Wert weiter abgeklärt wird, hängt von der Ausgangslage ab. Die aktuellen Leitlinien sehen folgendes Vorgehen vor: Zuerst wird die klinische Wahrscheinlichkeit einer Thrombose oder Lungenembolie eingeschätzt, zum Beispiel mit dem Wells-Score. Ist sie niedrig oder mittel, wird ein hochsensitiver D-Dimer-Test gemacht. Ist er negativ, kann eine Thrombose in der Regel ohne Bildgebung ausgeschlossen werden. Ist er erhöht, folgt Bildgebung: Kompressionsultraschall der Beinvenen bei Verdacht auf Beinvenenthrombose oder eine CT-Angiographie der Lunge bei Verdacht auf Lungenembolie. Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit wird ohne D-Dimer-Test direkt bildgebend untersucht, weil ein negativer Wert dort nicht verlässlich ausschließt. Ein zufällig gefundener erhöhter Wert ohne Beschwerden führt nicht automatisch zu weiteren Untersuchungen, sondern wird im Zusammenhang mit Alter, Vorerkrankungen und aktuellen Ereignissen bewertet.

Was kann ein niedriger D-Dimere-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Niedrige oder nicht nachweisbare D-Dimere sind der Normalbefund und haben keinen Krankheitswert. Es gibt keine Erkrankung, die durch zu niedrige D-Dimere gekennzeichnet ist.
  • Ein niedriger Wert kann in bestimmten Situationen trotz Thrombose vorkommen: wenn bereits eine Gerinnungshemmung eingenommen wird, wenn die Beschwerden schon länger als ein bis zwei Wochen bestehen, bei sehr kleinen Gerinnseln, etwa in den Unterschenkelvenen, oder bei Tests mit geringerer Empfindlichkeit.

Typische Symptome

  • Niedrige D-Dimere verursachen keine Beschwerden
  • bei deutlichen Beschwerden oder hoher klinischer Wahrscheinlichkeit schließt ein normaler Wert eine Thrombose nicht sicher aus

Abklärung

Ein normaler Wert braucht keine Abklärung. Bei anhaltendem Verdacht, bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit oder unter laufender Gerinnungshemmung wird die Entscheidung über eine Bildgebung unabhängig vom D-Dimer-Wert getroffen.

Verlauf unter Therapie

D-Dimere eignen sich vor allem für eine einmalige Ausschlussfrage, weniger für enge Verlaufskontrollen. Nach einer Thrombose sinken sie unter Gerinnungshemmung meist innerhalb von Tagen bis Wochen ab. Nach einer Operation bleiben sie oft über mehrere Wochen erhöht, was eine erneute Thrombosefrage in dieser Phase erschwert. In der Schwangerschaft steigen sie bis zur Geburt an und normalisieren sich erst Wochen danach. Bei Verbrauchskoagulopathie werden D-Dimere gemeinsam mit Thrombozyten, INR und Fibrinogen wiederholt gemessen, um den Verlauf abzuschätzen. Nach dem Ende einer Gerinnungshemmung wird ein erneuter Anstieg in Studien und einigen Risikomodellen als Hinweis auf ein höheres Rückfallrisiko herangezogen; über die Dauer einer Behandlung entscheidet aber nicht ein einzelner D-Dimer-Wert, sondern die Gesamtbewertung.

Präanalytik: was den Wert beeinflusst

D-Dimere werden aus Citratplasma bestimmt, meist aus einem Röhrchen mit hellblauem Verschluss, das korrekt gefüllt und nach der Abnahme vorsichtig geschwenkt wird. Nüchternheit ist nicht erforderlich. Wichtig für die Bewertung sind der Zeitpunkt seit Beginn der Beschwerden, eine bereits begonnene Gerinnungshemmung, kürzlich zurückliegende Operationen, Verletzungen, Infekte, eine Schwangerschaft und bekannte Tumorerkrankungen. Weil die Tests nicht standardisiert sind, muss der Grenzwert immer zur verwendeten Methode und Einheit passen. Für den Ausschluss einer Thrombose werden hochsensitive, quantitative Tests empfohlen; Schnelltests mit geringerer Empfindlichkeit sind dafür nur eingeschränkt geeignet. Sehr hohe Rheumafaktoren oder andere störende Antikörper können einzelne Immunoassays beeinflussen.

D-Dimere: Konstellation mit weiteren Blutwerten

D-Dimere sind ein Baustein, kein Befund für sich. Normale D-Dimere plus niedrige oder mittlere klinische Wahrscheinlichkeit: Thrombose und Lungenembolie weitgehend ausgeschlossen. Erhöhte D-Dimere plus passende Beschwerden: Bildgebung. Erhöhte D-Dimere plus erhöhtes CRP und Leukozyten ohne Beschwerden an Bein oder Lunge: häufig Ausdruck einer Entzündung. Stark erhöhte D-Dimere plus fallende Thrombozyten, verlängerte INR und niedriges Fibrinogen: Verdacht auf Verbrauchskoagulopathie. Bei bestätigter Lungenembolie helfen Troponin und NT-proBNP, die Belastung des rechten Herzens einzuschätzen. Die Nierenfunktion ist für die Wahl von Kontrastmittel und Gerinnungshemmern bedeutsam.

  • quick-inr — Eine verlängerte INR zusammen mit hohen D-Dimeren und niedrigen Thrombozyten spricht für eine Verbrauchskoagulopathie.
  • thrombozyten — Ein Thrombozytenabfall mit steigenden D-Dimeren ist ein Warnsignal, etwa bei Sepsis oder heparininduzierter Thrombozytopenie.
  • crp — Entzündungen erhöhen D-Dimere; ein hohes CRP erklärt manchen erhöhten Wert ohne Thrombose.
  • troponin — Troponin hilft bei bestätigter Lungenembolie, die Belastung des Herzens einzuschätzen.
  • nt-probnp — NT-proBNP zeigt bei Lungenembolie eine Druckbelastung des rechten Herzens an.
  • kreatinin — Die Nierenfunktion beeinflusst die Wahl von Kontrastmittel-Untersuchungen und Gerinnungshemmern.

Wichtiger Einordnungshinweis

Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.

Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert

Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung

Häufige Fragen zu D-Dimere

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) / AWMF (2023): S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. AWMF 065-002. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
  2. Konstantinides SV, Meyer G, Becattini C, et al.; ESC Scientific Document Group (2020): 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism developed in collaboration with the European Respiratory Society (ERS). DOI 10.1093/eurheartj/ehz405 · PMID 31504429. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31504429/
  3. Righini M, Van Es J, Den Exter PL, et al. (2014): Age-adjusted D-dimer cutoff levels to rule out pulmonary embolism: the ADJUST-PE study. DOI 10.1001/jama.2014.2135 · PMID 24643601. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24643601/
  4. Zaidi SRH, Rout P (StatPearls, NCBI Bookshelf) (2025): Interpretation of Blood Clotting Studies and Values (PT, PTT, aPTT, INR, Anti-Factor Xa, D-Dimer). PMID 38861642. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK604215/
  5. Gesundheitsportal Österreich (BMSGPK) (2024): Fibrinspaltprodukte (D-Dimer). https://gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/blutgerinnung/blutgerinnung-thrombose-09-ddim1-hk
  6. National Library of Medicine (NIH MedlinePlus) (2024): D-Dimer Test. https://medlineplus.gov/lab-tests/d-dimer-test/
  7. Thomas L (Hrsg.) (2020): Labor und Diagnose, 9. Auflage, Kapitel Hämostase. ISBN 978-3-9805645-7-8.