Laborwert

LDH-Wert: Normalwert, erhöht und Bedeutung

Ein LDH-Wert von 480 U/l sieht dramatisch aus, sagt aber noch nicht, wo das Problem liegt. Denn LDH steckt in fast jedem Gewebe und tritt bei jedem Zelluntergang ins Blut über. Das macht es empfindlich. Aber eben auch unspezifisch. Schon eine hämolytische Blutprobe kann den Wert künstlich hochtreiben. Nützlich wird LDH erst im Verbund: Haptoglobin und Bilirubin deuten auf Hämolyse, die Kreatinkinase auf einen Muskelschaden und die Transaminasen auf die Leber.

Was ist LDH-Wert?

LDH steht für Laktatdehydrogenase. Das Enzym kommt in fast allen Körperzellen vor und hilft, Laktat und Pyruvat ineinander umzuwandeln. Wenn Zellen geschädigt werden oder zerfallen, kann LDH ins Blut gelangen. Kurz: Zellschaden-Signal. Nicht Organbeweis. Ein erhöhter LDH-Wert kann zu Hämolyse, Lebererkrankung, Muskelschaden, Lungenembolie, Tumorlyse, schweren Infektionen, megaloblastärer Anämie oder vielen anderen Gewebeschäden passen. Das macht den Wert breit einsetzbar, aber diagnostisch allein schwach. Im Gegensatz zu Troponin ist LDH nicht herzspezifisch. Im Unterschied zu CK ist LDH kein Muskelmarker im engeren Sinn. Auch im Vergleich zu ALT ist LDH weniger leberspezifisch. Früher wurde LDH stärker bei Herzinfarkt genutzt; heute ist hochsensitives Troponin dafür der zentrale Marker. LDH gewinnt vor allem in Mustern: LDH hoch plus niedriges Haptoglobin spricht anders als LDH hoch plus CK stark erhöht oder LDH hoch plus Tumorlyse-Labor.

Bedeutung im Stoffwechsel

LDH katalysiert die reversible Umwandlung von Pyruvat zu Laktat und ist dadurch Teil des anaeroben Energiestoffwechsels. Es gibt verschiedene Isoenzyme, die in Geweben unterschiedlich verteilt sind. In der Routine wird meist die Gesamt-LDH-Aktivität gemessen, nicht die Isoenzymverteilung. Die Messung ist methodenabhängig: LOINC weist darauf hin, dass methodenlose LDH-Codes wegen deutlicher Methodendifferenzen problematisch sind. Deshalb sollten Methode, Einheit und Laborreferenzbereich beachtet werden. Ergebnisse werden meist in U/l berichtet. LOINC 14804-9 beschreibt LDH methodenspezifisch als enzymatische Aktivität im Serum oder Plasma.

Referenzbereich

GruppeBereichEinheit
Erwachsene, orientierendca. 120-250U/l
Milde Erhöhungbis etwa 1,5-fach oberer ReferenzwertU/l
Deutliche Erhöhung> 2-fach oberer ReferenzwertU/l
Hämolyse-Mustererhöht plus Haptoglobin niedrigU/l
Tumorlyse-Kontextdynamisch erhöht mit Harnsäure/Kalium/PhosphatU/l
LOINC-MessgrößeLDH enzymatic activity, lactate to pyruvate reactionU/l

Methode & Variabilität: Erwachsene, orientierend: enzymatische Aktivitätsmessung im Serum oder Plasma; Referenzbereiche sind stark methoden-, labor- und temperaturabhängig · Milde Erhöhung: LDH-Gesamtaktivität; häufig unspezifisch; Hämolyse der Probe zuerst prüfen · Deutliche Erhöhung: enzymatische Aktivitätsmessung plus Kontextlabor; Hämolyse, Tumorlyse, Leber-, Muskel- und Lungenschaden prüfen · Hämolyse-Muster: LDH mit Bilirubin, Haptoglobin, Retikulozyten; in-vitro-Hämolyse kann dieselbe Richtung vortäuschen · Tumorlyse-Kontext: LDH-Verlauf plus Elektrolyte und Nierenwerte; schneller Anstieg und klinischer Kontext sind entscheidend · LOINC-Messgröße: LOINC 14804-9, Serum oder Plasma; methodenspezifischer Code ist gegenüber methodenlosem LDH vorzuziehen

Was kann ein erhöhter LDH-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Hämolyse ist eine zentrale Ursache, entweder im Körper oder im Röhrchen. LDH aus Erythrozyten kann bei falscher Probenbehandlung künstlich hoch werden.
  • Gewebeschäden an Leber, Muskel, Lunge, Herz oder Blutbildsystem können LDH erhöhen. Dazu gehören Hepatitis, Rhabdomyolyse, Lungenembolie, schwere Infektionen und megaloblastäre Anämie.
  • Tumorerkrankungen, Tumorlyse und hohe Zellumsatzraten können LDH deutlich erhöhen. Dann zählen Verlauf, Blutbild, Harnsäure, Kalium, Phosphat, Kreatinin und klinischer Kontext.

Typische Symptome

  • Müdigkeit, Blässe oder Gelbfärbung bei Hämolyse oder Anämie
  • Muskelschmerzen, Schwäche oder dunkler Urin bei Muskelschaden
  • Oberbauchbeschwerden oder Ikterus bei Leberbeteiligung
  • Atemnot oder Brustschmerz bei Lungen- oder Herzkontext
  • Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust bei hoher Zellumsatz- oder Tumorspur

Abklärung

LDH über dem oberen Referenzbereich sollte zuerst auf Probenhämolyse geprüft und mit AST, ALT, CK, Bilirubin, Haptoglobin, Hämoglobin, Retikulozyten und Kreatinin abgeglichen werden. Werte über dem 2-fachen oberen Referenzwert oder rasch steigende Werte brauchen eine gezieltere Suche nach Hämolyse, Tumorlyse, Leber-, Muskel- oder Lungenschaden. Ein isolierter LDH-Wert ohne Kontext reicht nicht für eine Diagnose.

Was kann ein niedriger LDH-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Niedrige LDH-Werte haben meist keinen eigenen Krankheitswert. In der Routine wird LDH fast immer wegen Erhöhungen interpretiert.
  • Methodische Unterschiede, Probenverdünnung oder Laborvariabilität können niedrige Werte erklären. Ein niedriger Einzelwert ist selten richtungsweisend.
  • Sehr seltene genetische LDH-Mangelzustände existieren, spielen aber in der üblichen Laborinterpretation praktisch kaum eine Rolle.

Typische Symptome

  • Niedriges LDH verursacht normalerweise keine Beschwerden
  • Beschwerden richten sich nicht nach einem niedrigen LDH-Wert
  • Andere Laborwerte bestimmen die klinische Bedeutung
  • Isoliert niedrige Werte werden meist nicht weiter abgeklärt

Abklärung

LDH unterhalb des Referenzbereichs wird in der Regel nicht abgeklärt. Relevant ist eher die Frage, ob bei Beschwerden andere Marker auffällig sind, etwa Troponin, CK, ALT, Bilirubin oder Blutbildwerte. Ein niedriger LDH-Wert schließt Gewebeschaden nicht sicher aus, wenn Zeitpunkt und klinischer Kontext nicht passen.

Verlauf unter Therapie

LDH eignet sich eher als Verlaufs- und Musterwert als als Sofortmarker. Bei Hämolyse oder Tumorlyse kann LDH rasch steigen und mit Behandlung wieder fallen. Nach Gewebeschaden bleibt LDH oft länger erhöht als sehr frühe Marker wie Myoglobin. Bei megaloblastärer Anämie kann LDH deutlich erhöht sein und nach B12- oder Folattherapie über Tage bis Wochen sinken. Bei Rhabdomyolyse ist CK für den Verlauf meist besser, während LDH ergänzend erhöht sein kann. Ein LDH von 600 U/l, der parallel zu fallendem Haptoglobin und steigendem indirektem Bilirubin verläuft, stützt Hämolyse. LDH 600 U/l mit CK 8.000 U/l lenkt stärker auf Muskel. LDH 600 U/l mit hämolytischer Probe muss zuerst wiederholt werden.

Präanalytik: was den Wert beeinflusst

LDH ist präanalytisch störanfällig. Hämolyse bei der Blutabnahme, starkes Schütteln, zu lange Stauung oder falsche Lagerung können LDH künstlich erhöhen, weil Erythrozyten viel LDH enthalten. Nüchternheit ist nicht erforderlich. Bei unplausibel erhöhtem LDH sollte eine Wiederholung aus sauberer Blutabnahme innerhalb von 24 bis 48 Stunden erwogen werden, besonders wenn Hämolyse im Laborbericht vermerkt ist. Serum oder Plasma sind möglich, abhängig vom Laborverfahren. Intensive körperliche Belastung 24 bis 48 Stunden vor der Abnahme kann Muskelmarker mitbeeinflussen. Verlaufskontrollen sollten im gleichen Labor und mit gleicher Methode erfolgen, weil LDH-Referenzbereiche methodenabhängig sind. Parallelwerte wie CK, AST, ALT, Bilirubin, Haptoglobin und Blutbild sollten möglichst aus derselben Abnahme stammen.

LDH-Wert: Konstellation mit weiteren Blutwerten

LDH wird erst über Nachbarwerte brauchbar. LDH hoch plus Haptoglobin niedrig, indirektes Bilirubin hoch und Retikulozyten hoch spricht für Hämolyse. LDH hoch plus CK und Myoglobin hoch passt eher zu Muskelschaden oder Rhabdomyolyse. LDH hoch plus ALT, AST und Bilirubin lenkt Richtung Leber- oder Gallenkontext, bleibt aber unspezifisch. Troponin ist bei Brustschmerz viel spezifischer für Herzmuskelschädigung. Bei Tumorlyse stehen LDH, Harnsäure, Kalium, Phosphat, Calcium und Kreatinin zusammen. Im Gegensatz zu CRP ist LDH kein Entzündungsmarker. Im Unterschied zu Ferritin zeigt LDH keinen Speicher, sondern Zellumsatz oder Zellschaden. Eine hämolytische Probe kann fast jedes Muster verfälschen und sollte aktiv ausgeschlossen werden.

  • troponin — Troponin ist bei Verdacht auf Herzinfarkt deutlich spezifischer als LDH.
  • kreatinkinase — CK hilft, Muskelschaden und Rhabdomyolyse als Ursache erhöhter LDH einzuordnen.
  • myoglobin — Myoglobin steigt bei akutem Muskelzerfall früh und ergänzt CK und LDH.
  • ast-wert — AST kann bei Leber-, Muskel- und Hämolysespuren zusammen mit LDH steigen.
  • bilirubin-gesamt — Bilirubin hilft, Hämolyse oder Leber-/Gallenbeteiligung bei hoher LDH zu trennen.
  • retikulozyten — Retikulozyten steigen bei Hämolyse und zeigen die Knochenmarkantwort.

Wichtiger Einordnungshinweis

Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.

Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert

Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung

Häufige Fragen zu LDH-Wert

Quellen

  1. NCBI StatPearls (2024): Biochemistry, Lactate Dehydrogenase. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK557536/
  2. NCBI StatPearls (2024): Rhabdomyolysis. PMID 28846335. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK448168/
  3. Regenstrief Institute (LOINC) (2026): Lactate dehydrogenase [Enzymatic activity/volume] in Serum or Plasma by Lactate to pyruvate reaction. https://loinc.org/14804-9
  4. Thygesen K, Alpert JS, Jaffe AS, Chaitman BR, Bax JJ, Morrow DA, White HD (ESC/ACC/AHA/WHF Task Force) (2018): Fourth Universal Definition of Myocardial Infarction (2018). DOI 10.1016/j.jacc.2018.08.1038 · PMID 30153967. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30153967/
  5. Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ, et al.; ESC Scientific Document Group (2023): 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. DOI 10.1093/eurheartj/ehad191 · PMID 37622654. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37622654/
  6. Gesundheitsportal Österreich (BMSGPK) (2024): Herz- und Muskelwerte / Laborwerte Herz-Lunge. https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/herz-lunge/inhalt.html
  7. Regenstrief Institute (LOINC) (2026): Creatine kinase [Enzymatic activity/volume] in Serum or Plasma. https://loinc.org/2157-6
  8. Thomas L (Hrsg.) (2020): Labor und Diagnose, 9. Auflage — Herzmarker, Enzyme und Muskelmarker. ISBN 978-3-9805645-7-8 · Kapitel Herzmarker / Enzyme / Muskelmarker.