Was bedeutet ein zu niedriges HDL-Cholesterin?
HDL-Partikel holen Cholesterin aus Geweben und Gefäßwänden und bringen es zur Leber zurück. Ist der Wert niedrig, gilt das als Risikomarker für Herz und Gefäße. Es ist aber kein eigenes Behandlungsziel: Für Therapieentscheidungen bleibt LDL-Cholesterin der wichtigste Wert. Niedriges HDL verursacht selbst meist keine Beschwerden und fällt oft nur im Lipidprofil auf.
Ab welchem Wert gilt HDL als zu niedrig?
Als Risikoschwelle gelten bei Männern Werte unter 40 mg/dl, das entspricht 1,0 mmol/l, und bei Frauen Werte unter 50 mg/dl, etwa 1,3 mmol/l. Als günstig gilt bei Erwachsenen ein Bereich von 50 bis 80 mg/dl. Werte unter 20 mg/dl sind ungewöhnlich und lenken den Blick auf seltene angeborene Ursachen. Maßgeblich ist der Referenzbereich Ihres Labors.
Welche Ursachen stecken häufig dahinter?
Am häufigsten hängt niedriges HDL mit Insulinresistenz und dem metabolischen Syndrom zusammen. Dazu kommen Rauchen, Bewegungsmangel und Bauchfett. Auch sehr hohe Triglyzeride drücken den Wert. Vorübergehend sinkt HDL bei akuter Krankheit, nach Operationen oder bei schweren Infektionen. Selten sind angeborene Störungen des HDL-Stoffwechsels oder der Missbrauch von Anabolika die Ursache.
Wie geht es nach dem Befund weiter?
Üblich ist, die Nachbarwerte anzusehen: Triglyzeride, LDL, Nüchternglukose, Blutdruck und Bauchumfang. Daraus lässt sich das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko einschätzen. Eine Kontrolle ist meist erst nach einigen Wochen sinnvoll, weil sich HDL langsam verändert. Besprechen Sie den Befund mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, vor allem wenn mehrere Werte gleichzeitig auffallen.
Wie stark ist HDL erniedrigt? Die wichtigen Schwellen
Feste Stufen wie leicht oder stark erniedrigt sind für HDL nicht einheitlich festgelegt. Es gibt aber Schwellen, an denen sich die Bedeutung ändert. Unter 40 mg/dl bei Männern und unter 50 mg/dl bei Frauen beginnt der Bereich, der als Risikomarker gilt. Meist steckt eine erworbene Ursache dahinter, etwa Insulinresistenz, Rauchen oder Bewegungsmangel.
Liegt HDL unter 20 mg/dl, ohne dass eine erworbene Ursache erkennbar ist, kommen seltene angeborene Störungen in Frage. Dazu zählen ein familiärer Mangel an Apolipoprotein A-I, dem wichtigsten Eiweiß der HDL-Partikel, und ein Mangel des Enzyms LCAT. Werte unter 5 mg/dl sind typisch für die Tangier-Krankheit, eine sehr seltene Erbkrankheit. Solche Werte werden mit Spezialuntersuchungen weiter abgeklärt.
Häufige und seltene Ursachen
Die häufigste Ursache ist Insulinresistenz, also eine verminderte Wirkung des Hormons Insulin, oft im Rahmen eines metabolischen Syndroms. Rauchen senkt HDL um etwa 5 bis 15 mg/dl, weil die Partikel verändert und schneller abgebaut werden. Bewegungsmangel und Bauchfett bremsen ein Enzym, das am Fettabbau im Blut beteiligt ist. Sehr hohe Triglyzeride über 500 mg/dl drücken HDL zusätzlich nach unten.
Vorübergehend fällt HDL bei akuter Krankheit, nach Operationen oder bei schweren Infektionen, und zwar um 20 bis 40 Prozent über 4 bis 6 Wochen. Der Missbrauch von Anabolika, also künstlichen Abkömmlingen des Testosterons, kann HDL um 30 bis 70 Prozent senken. Selten sind angeborene Ursachen: Tangier-Krankheit, familiärer Apolipoprotein-A-I-Mangel und LCAT-Mangel, bei dem sich die Hornhaut des Auges eintrüben kann.
Welche Beschwerden passen dazu?
Ein niedriges HDL allein verursacht in der Regel keine Beschwerden. Spürbar sind eher die Begleitumstände. Bei Insulinresistenz fallen oft ein vergrößerter Bauchumfang, Müdigkeit nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten oder dunkle, samtartige Hautverfärbungen auf, die Fachleute Acanthosis nigricans nennen. Manchmal steht eine Fettleber im Hintergrund. Diese Zeichen sind unspezifisch und gehören in die ärztliche Gesamtbeurteilung.
Bei den seltenen angeborenen Formen sieht das Bild anders aus. Die Tangier-Krankheit zeigt sich durch auffällig orangefarbene, vergrößerte Mandeln, eine vergrößerte Leber und Milz, Nervenstörungen in Armen und Beinen und Gefäßerkrankungen schon zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Beim LCAT-Mangel trübt sich die Hornhaut zunehmend ein, dazu können Nierenschwäche und ein Zerfall roter Blutkörperchen kommen.
Begleitwerte und typische Konstellationen
Aussagekraft bekommt HDL erst mit den Nachbarwerten. Niedriges HDL plus hohe Triglyzeride ist das klassische Muster der Insulinresistenz. Kommen ein Bauchumfang ab 102 cm bei Männern oder ab 88 cm bei Frauen, Triglyzeride über 150 mg/dl, Nüchternglukose über 100 mg/dl oder Bluthochdruck dazu, wird geprüft, ob drei von fünf Kriterien eines metabolischen Syndroms erfüllt sind. Dann gehören auch HbA1c und Leberwerte zur Abklärung.
Niedriges HDL bei hohem LDL verstärkt das Risikomuster, der Schwerpunkt bleibt aber beim LDL. Non-HDL-Cholesterin und ApoB, ein Maß für die Zahl der gefäßschädigenden Partikel, zeigen das Risiko bei Diabetes oder metabolischem Syndrom oft deutlicher. Ein erhöhter TSH-Wert passt zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die HDL senken kann. Niedriges HDL mit erhöhten Leberwerten wie Transaminasen und Gamma-GT kann auf Alkohol oder eine Fettleber hinweisen.
Störfaktoren bei der Blutabnahme und Verlauf
Für HDL allein ist Nüchternheit weniger wichtig als für Triglyzeride. Für ein vollständiges Lipidprofil mit berechnetem LDL werden aber 12 Stunden Nahrungspause empfohlen, Wasser ist erlaubt. Alkohol kann die Werte mehrere Tage beeinflussen, für einen stabilen Verlauf werden 24 bis 72 Stunden Pause genannt. Intensiver Sport in den 24 Stunden davor verändert HDL leicht. Zwischen verschiedenen Labors können die Ergebnisse um 7 bis 10 Prozent abweichen.
Wichtig für den Verlauf: Nach einer akuten Erkrankung, Operation oder schweren Infektion kann HDL einige Wochen lang erniedrigt sein. Eine Bewertung ist erst nach der Erholung aussagekräftig. HDL verändert sich langsam. Nach Rauchstopp, mehr Ausdauertraining oder Gewichtsabnahme kann ein Anstieg über 3 bis 6 Monate sichtbar werden, eine Kontrolle nach 8 bis 12 Wochen ist realistisch. Kleine Schwankungen, etwa von 47 auf 51 mg/dl, sind meist natürliche Variabilität. Für Vergleiche hilft dasselbe Labor.
Warnzeichen und nächste Schritte
Ärztlich besprechen sollten Sie ein niedriges HDL vor allem dann, wenn zugleich Triglyzeride, LDL, Glukose oder Blutdruck auffällig sind. Zügig abklären lassen sollten Sie Werte unter 20 mg/dl ohne erkennbare Ursache, besonders wenn ähnliche Werte in der Familie bekannt sind oder orangefarbene Mandeln oder eine Trübung der Hornhaut auffallen. Bei akuten, starken Beschwerden wählen Sie den Notruf.
Bei der Abklärung werden üblicherweise die Kriterien des metabolischen Syndroms erhoben und das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko mit einem Risikorechner eingeschätzt. Bei sehr niedrigen Werten ohne erkennbare Ursache kommen ApoA-I, die Aktivität des Enzyms LCAT und genetische Tests hinzu. HDL selbst gilt nicht als Behandlungsziel. Im Mittelpunkt stehen LDL, Lebensstil und Begleiterkrankungen. Was davon für Sie passt, klären Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Häufige Fragen
Ab wann ist HDL-Cholesterin zu niedrig?
Als niedrig gelten bei Männern Werte unter 40 mg/dl, also unter 1,0 mmol/l, und bei Frauen Werte unter 50 mg/dl, etwa 1,3 mmol/l. Diese Grenzen sind Risikoschwellen, keine Diagnose. Wie bedeutsam ein niedriger Wert ist, hängt von Triglyzeriden, LDL, Glukose und dem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko ab. Entscheidend ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund.
Warum ist mein HDL niedrig, obwohl mein LDL normal ist?
Das ist ein häufiges Muster bei beginnender Insulinresistenz. HDL sinkt oft zuerst, die Triglyzeride steigen, das LDL kann zunächst unauffällig bleiben. Non-HDL-Cholesterin und ApoB zeigen das Risiko dann oft deutlicher. Weitere häufige Gründe sind Rauchen, Bewegungsmangel, Bauchfett und das polyzystische Ovarsyndrom, eine Hormonstörung bei Frauen. Ein seltener Sonderfall ist Anabolika-Konsum.
Kann eine Infektion oder Operation den HDL-Wert senken?
Ja. HDL reagiert auf akute Belastungen des Körpers. Bei akuter Erkrankung, nach Operationen oder bei schweren Infektionen kann der Wert über 4 bis 6 Wochen um 20 bis 40 Prozent absinken. Ein in dieser Zeit gemessener niedriger Wert ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Sinnvoll ist meist eine Kontrolle, wenn Sie wieder gesund sind.
Steigt HDL wieder, wenn ich mit dem Rauchen aufhöre?
Rauchen senkt HDL um etwa 5 bis 15 mg/dl. Nach einem Rauchstopp normalisiert sich der Wert meist innerhalb von 3 bis 6 Monaten. Auch regelmäßiges Ausdauertraining von mindestens 150 Minuten pro Woche in moderater Intensität kann HDL um etwa 5 bis 10 mg/dl anheben. Wichtiger als der HDL-Wert allein ist, dass sich dabei meist auch Triglyzeride und Zuckerstoffwechsel verbessern.
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