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Leukozyten zu niedrig: Was der Befund bedeuten kann

Steht auf Ihrem Befund „Leukozyten zu niedrig“, liegt die Zahl der weißen Blutkörperchen unter dem Referenzbereich des Labors. Bei Erwachsenen sind das meist weniger als 4,0 × 10⁹/l, also unter 4.000 pro Mikroliter. Fachleute sprechen von Leukopenie. Häufig steckt ein akuter Virusinfekt oder ein Medikament dahinter, seltener eine Störung im Knochenmark. Entscheidend ist, welche Untergruppe der Leukozyten fehlt und wie es Ihnen geht.

Ab wann gelten Leukozyten als zu niedrig?

Für Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren gilt meist ein Bereich von 4,0 bis 10,0 × 10⁹/l. Kinder von 2 bis 12 Jahren liegen bei 5,0 bis 13,0, Säuglinge von 6 bis 24 Monaten bei 6,0 bis 17,0 × 10⁹/l. Maßgeblich bleibt der Referenzbereich, der auf Ihrem Befund steht, denn Labore arbeiten mit leicht unterschiedlichen Grenzen.

Welche Ursachen sind am häufigsten?

Sehr oft sinkt der Wert vorübergehend während eines Virusinfekts wie Grippe oder Pfeiffer'schem Drüsenfieber (EBV). Werte zwischen 2,5 und 3,5 × 10⁹/l sind in der akuten Phase nicht ungewöhnlich und erholen sich meist nach dem Infekt. Daneben spielen häufig Medikamente eine Rolle, etwa Chemotherapie, bestimmte Antibiotika, Mittel gegen eine Schilddrüsenüberfunktion, Antiepileptika oder Schmerzmittel wie Metamizol.

Welche Beschwerden können dazugehören?

Die Beschwerden entstehen vor allem durch die geschwächte Abwehr. Typisch ist eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte: wiederkehrende Erkältungen, weißlicher Pilzbelag im Mund (Mundsoor), wunde Stellen an der Schleimhaut oder eine bakterielle Lungenentzündung. Dazu kommen Müdigkeit und Fieber ohne klare Ursache. Fieber bei sehr wenigen Neutrophilen, der wichtigsten Untergruppe der Leukozyten, gilt als Notfall und gehört sofort ärztlich versorgt.

Was ist der sinnvolle nächste Schritt?

Ein einzelner, knapp erniedrigter Wert wird meist unter Standardbedingungen kontrolliert, gemeinsam mit einem Differentialblutbild. Dieses zeigt, welche Gruppe der weißen Blutkörperchen fehlt. Wichtig ist eine vollständige Liste aller Medikamente für das Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Bleibt der Wert niedrig oder sind weitere Blutwerte betroffen, folgt eine Abklärung bei Fachleuten für Blutkrankheiten (Hämatologie).

Leicht, mäßig, schwer: wie die Abstufung funktioniert

Die übliche Abstufung nach Schweregrad bezieht sich nicht auf die Gesamtzahl der Leukozyten, sondern auf die Neutrophilen. Das sind die neutrophilen Granulozyten, mit 50 bis 70 Prozent die größte Gruppe der weißen Blutkörperchen. Deshalb ist bei einem niedrigen Gesamtwert das Differentialblutbild so wichtig: Es teilt die Leukozyten in ihre Untergruppen auf und zeigt, welche Zellart tatsächlich fehlt.

Bei den Neutrophilen gilt nach gängiger Einteilung: leicht vermindert zwischen 1,0 und 1,5 × 10⁹/l, mäßig vermindert zwischen 0,5 und unter 1,0, schwer vermindert unter 0,5 × 10⁹/l. Unterhalb von etwa 0,2 × 10⁹/l sprechen viele Fachleute von sehr schwerer Neutropenie (Mangel an Neutrophilen) oder Agranulozytose, ältere Definitionen setzen die Grenze bei 0,1. Je tiefer der Wert, desto höher das Risiko für schwere Infektionen.

Häufige Ursachen: Infekt und Medikamente

Virusinfekte bremsen die Bildung neuer Abwehrzellen im Knochenmark für einige Zeit. Botenstoffe des Immunsystems, sogenannte Interferone, sind dafür verantwortlich. Während einer Grippe, eines Pfeiffer'schen Drüsenfiebers (EBV) oder einer Infektion mit dem Zytomegalievirus (CMV) sind Werte zwischen 2,5 und 3,5 × 10⁹/l häufig. Klingt der Infekt ab, normalisiert sich die Zahl in aller Regel wieder.

Die zweite große Gruppe sind Medikamente. Neben Chemotherapie können auch Mittel aus dem Alltag die Zahl der Granulozyten senken, im Extremfall bis zur Agranulozytose (fast völliges Fehlen dieser Zellen). Genannt werden unter anderem das Antibiotikum Cotrimoxazol, Sulfasalazin, Carbimazol, ein Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion, Clozapin, Antiepileptika wie Carbamazepin und Valproat, entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) und Metamizol. Ob ein Medikament die Ursache ist, klärt die Ärztin oder der Arzt anhand der vollständigen Medikamentenliste.

Seltenere Ursachen: Autoimmunität, Milz und Knochenmark

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen. Antikörper können dabei Leukozyten markieren, die dann vorzeitig abgebaut werden. Das kommt etwa beim systemischen Lupus erythematodes vor, bei rheumatoider Arthritis mit Felty-Syndrom oder bei einer primären autoimmunen Neutropenie. Auch eine vergrößerte, überaktive Milz bei Hochdruck im Pfortaderkreislauf der Leber kann weiße Blutkörperchen zurückhalten und vermehrt abbauen.

Seltener, aber wichtig sind Erkrankungen des Knochenmarks, wo alle Blutzellen entstehen. Dazu zählen die aplastische Anämie, bei der das Knochenmark zu wenig Zellen bildet, das myelodysplastische Syndrom (MDS) mit gestörter Zellreifung und die Verdrängung des Knochenmarks durch bösartige Tumorzellen. Typisch ist dann eine Panzytopenie: Leukozyten, Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Thrombozyten sind gleichzeitig erniedrigt. Diese Konstellation verlangt nach einer Untersuchung des Knochenmarks.

Welche Begleitwerte die Lage klären

Ein niedriger Leukozytenwert wird nie für sich allein beurteilt. Bei den Neutrophilen definiert ein Wert unter 0,5 × 10⁹/l die schwere Neutropenie mit deutlichem Infektionsrisiko. Sind zusätzlich die Thrombozyten (Blutplättchen) oder das Hämoglobin niedrig, sprechen Fachleute von Bizytopenie (zwei Zellreihen betroffen) oder Panzytopenie (alle drei). Solche kombinierten Auffälligkeiten führen meist zu einer Abklärung des Knochenmarks, weil dort die gemeinsame Ursache liegen kann.

Aufschlussreich ist auch das CRP, ein Entzündungswert. Niedrige Leukozyten zusammen mit einem hohen CRP können auf eine schwere Blutvergiftung (Sepsis) hinweisen, bei der das Knochenmark erschöpft ist, oder auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems. Bei den Lymphozyten, einer weiteren Untergruppe, ist ein Mangel typisch für eine HIV-Infektion oder eine Behandlung mit Kortison. Die BSG (Blutsenkung) ergänzt das CRP als zweiter Entzündungsmarker.

Störfaktoren bei der Blutabnahme und Verlauf

Manchmal ist der Wert nur scheinbar niedrig. Wird die Probe nicht innerhalb von vier Stunden verarbeitet, zerfallen empfindliche Granulozyten, und die Zahl fällt zu tief aus. Im EDTA-Röhrchen bleiben die Zellen bei Raumtemperatur sechs bis acht Stunden stabil; danach können sie verklumpen, was eine Scheinleukopenie vortäuscht. Bei Verdacht auf Kälteagglutinine, also Antikörper, die Zellen in der Kälte verklumpen lassen, wird die Probe vor der Messung auf 37 °C erwärmt.

Auch die Tageszeit zählt: Nachmittags liegt der Wert oft 10 bis 15 Prozent höher als am Morgen, insgesamt sind Schwankungen bis 20 Prozent normal. Bei einem knapp erniedrigten Wert kann deshalb schon die Uhrzeit der Blutabnahme eine Rolle spielen; bei deutlich niedrigen Werten reicht diese Schwankung als Erklärung nicht aus. Ein einzelner Befund sagt wenig; aussagekräftig ist der Verlauf. Nach einer Chemotherapie erreichen die Neutrophilen ihren Tiefpunkt meist zwischen Tag 7 und 14, die Erholung dauert weitere ein bis zwei Wochen.

Warnzeichen: wann es dringend wird

Die wichtigste Warnsituation ist Fieber bei sehr wenigen Neutrophilen, die febrile Neutropenie. Sie liegt vor, wenn die Neutrophilen unter 0,5 × 10⁹/l liegen und die Temperatur einmal 38,3 °C erreicht oder länger als eine Stunde bei mindestens 38,0 °C bleibt. Das betrifft vor allem Menschen unter Chemotherapie. Hier droht eine rasch verlaufende Blutvergiftung; nötig ist sofort ärztliche Hilfe in einer Klinik, also über die Notaufnahme oder den Notruf.

Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie einen niedrigen Wert, wenn wiederholt Infekte auftreten, Fieber ohne erkennbaren Grund besteht, Geschwüre an der Mundschleimhaut oder Pilzbelag sichtbar sind oder ein neues Medikament eingenommen wird. Dasselbe gilt, wenn im Blutbild weitere Zellreihen erniedrigt sind oder der Wert bei Kontrollen niedrig bleibt oder weiter fällt. Deutlich abweichende Werte zusammen mit Beschwerden gehören immer rasch in ärztliche Hände.

Häufige Fragen

Ist ein Leukozytenwert von 3,5 gefährlich?

Ein Wert knapp unter dem Referenzbereich ist für sich genommen meist kein Grund zur Sorge, vor allem während eines akuten Virusinfekts. Werte zwischen 2,5 und 3,5 × 10⁹/l sind dann häufig. Eine Untersuchung des Knochenmarks folgt nicht reflexartig bei jedem Wert unter 3,5, sondern erst, wenn der Wert unklar bleibt, anhält oder weiter fällt.

Kann ein zu niedriger Leukozytenwert an der Blutprobe liegen?

Ja, das ist möglich. Bleibt die Blutprobe zu lange liegen, gehen empfindliche Abwehrzellen im Röhrchen zugrunde, und das Gerät zählt dann zu wenige. Verarbeitet werden sollte die Probe innerhalb von vier Stunden. Nach sechs bis acht Stunden bei Raumtemperatur können Zellen im Röhrchen verklumpen und eine Scheinleukopenie erzeugen. Bei unerwartet niedrigem Wert ohne Beschwerden ist eine Kontrolle unter Standardbedingungen deshalb sinnvoll.

Welche Medikamente können die Leukozyten senken?

Am häufigsten sind es Chemotherapeutika. Auch das Antibiotikum Cotrimoxazol, Sulfasalazin, Carbimazol, ein Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion, Clozapin, Antiepileptika wie Carbamazepin oder Valproat, entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) und Metamizol können die Granulozyten senken, im Extremfall bis zur Agranulozytose. Bei einem neu entdeckten niedrigen Wert steht deshalb die vollständige Liste aller eingenommenen Medikamente am Anfang der Abklärung.

Wann sind niedrige Leukozyten ein Notfall?

Ein Notfall ist Fieber bei sehr wenigen Neutrophilen, also unter 0,5 × 10⁹/l, die sogenannte febrile Neutropenie. Sie betrifft vor allem Menschen unter Chemotherapie. Ab 38,3 °C einmalig oder mindestens 38,0 °C über mehr als eine Stunde braucht es sofort ärztliche Hilfe über die Notaufnahme oder den Notruf. Auch starke Beschwerden zusammen mit deutlich niedrigen Werten gehören sofort abgeklärt.

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