Laborwert

Laktat im Blut: Normalwert, erhöhte Werte, Laktatazidose

Laktat kennen viele aus dem Sport: der brennende Muskel, der Laktattest auf dem Laufband. Im Krankenhaus bedeutet dieselbe Substanz etwas anderes. Dort ist Laktat der Wert, der in der Notaufnahme innerhalb von Minuten aus der Blutgasanalyse kommt und anzeigt, ob die Gewebe genug Sauerstoff bekommen. Ein steigendes Laktat bei einer schweren Infektion oder nach einem Unfall ist eines der frühesten Zeichen, dass der Kreislauf nicht mehr ausreicht. Zugleich ist kaum ein Wert so leicht zu verfälschen: gestaute Vene, geballte Faust, liegen gebliebenes Röhrchen. Ein einzelnes Laktat beweist keine Krankheit. Es gewinnt seine Aussage aus der Situation, aus pH-Wert und Bikarbonat und vor allem aus dem Verlauf.

Was ist Laktat im Blut?

Laktat ist das Salz der Milchsäure und entsteht, wenn Zellen Glukose ohne ausreichend Sauerstoff abbauen. Hauptquelle sind die Muskeln, daneben rote Blutkörperchen, Gehirn und Darm. Ein Teil des Laktats wird in Leber und Niere wieder zu Glukose aufgebaut (Cori-Zyklus) oder im Herz direkt als Energiequelle verbrannt. Der Blutspiegel ist damit immer eine Bilanz aus Bildung und Abbau: Er steigt, wenn Gewebe zu wenig Sauerstoff bekommen oder sehr viel Energie umsetzen, aber auch, wenn eine geschwächte Leber das anfallende Laktat nicht mehr verarbeitet. Gemessen wird Laktat entweder in Natriumfluorid-Plasma aus der Vene oder, meist schneller, im heparinisierten Vollblut zusammen mit der Blutgasanalyse. Die Einheit ist mmol/l, seltener mg/dl; 1 mmol/l entspricht etwa 9 mg/dl. Venöse Werte liegen etwas höher als arterielle oder kapilläre, und Vollblutwerte etwas niedriger als Plasmawerte. Deshalb gehört zu jedem Laktatwert die Angabe, woraus er gemessen wurde.

Bedeutung im Stoffwechsel

Laktat ist das Bindeglied zwischen aerobem und anaerobem Stoffwechsel. Bei Sauerstoffmangel kann Pyruvat aus der Glykolyse nicht in den Mitochondrien verbrannt werden und wird zu Laktat reduziert; dabei fallen Säureäquivalente an. Solange Leber und Niere nachkommen, bleibt der Spiegel trotz hoher Bildung erträglich und der pH-Wert normal: eine Hyperlaktatämie, wie sie nach intensivem Sport, einem Krampfanfall oder bei starkem Kältezittern vorkommt. Kippt das Gleichgewicht, fällt der pH-Wert, und es entsteht eine Laktatazidose. Zwei Typen werden unterschieden: Typ A durch Minderdurchblutung und Sauerstoffmangel, etwa im Schock, bei Sepsis oder schwerer Herzschwäche; Typ B ohne Sauerstoffmangel, etwa durch Lebererkrankungen, Medikamente wie Metformin, Thiaminmangel, Tumorerkrankungen oder angeborene Stoffwechselstörungen.

Referenzbereich

GruppeBereichEinheit
Erwachsene, venöses Plasma0,5 – 2,2mmol/l
Erwachsene, venöses Plasma (konventionelle Einheit)4,5 – 20mg/dl
Arterielles Blut (Blutgasanalyse)< 1,8mmol/l
Hyperlaktatämie> 2mmol/l
Laktatazidose> 5 bei pH < 7,35mmol/l

Methode & Variabilität: Erwachsene, venöses Plasma: Enzymatischer Farbtest, Natriumfluorid-Plasma; Steigt bei Stauung, Faustschluss, körperlicher Aktivität und verzögerter Verarbeitung der Probe; laborabhängig. · Erwachsene, venöses Plasma (konventionelle Einheit): Enzymatischer Farbtest, Natriumfluorid-Plasma; Umrechnung mmol/l × 9,0 = mg/dl; laborabhängig. · Arterielles Blut (Blutgasanalyse): Amperometrisch im heparinisierten Vollblut, Blutgasgerät; Liegt unter dem venösen Bereich; kapilläre Werte verhalten sich wie arterielle. Vollblut ohne Glykolysehemmer: Wert steigt schon innerhalb von Minuten, daher sofort messen. · Hyperlaktatämie: Definition: erhöhtes Laktat ohne Azidose; Nach Sport oder Krampfanfall vorübergehend; im Sepsis-Kontext ein Warnwert, der Verlaufskontrolle verlangt. · Laktatazidose: Definition: erhöhtes Laktat mit metabolischer Azidose (Blutgasanalyse); Schwellen in Lehrbüchern leicht unterschiedlich (5 bis 6 mmol/l); entscheidend ist die Kombination mit dem pH-Wert.

Quellen zu diesen Werten: siehe Abschnitt Quellen. Labore verwenden teils abweichende Bereiche; maßgeblich ist Ihr Befund.

Was kann ein erhöhter Laktat im Blut-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Minderdurchblutung und Sauerstoffmangel (Typ A): Schock jeder Art, schwere Sepsis, akute Herzschwäche, schwere Lungenerkrankung, ausgeprägte Blutarmut, Darmgefäßverschluss oder Kohlenmonoxidvergiftung. Hier ist Laktat Frühwarnzeichen und Prognosemarker.
  • Hoher Energieumsatz ohne Sauerstoffmangel: intensive körperliche Belastung, Krampfanfälle oder starkes Zittern bei Unterkühlung. Der Wert normalisiert sich bei Gesunden rasch.
  • Gestörter Abbau: schwere Lebererkrankungen und Nierenschwäche, weil beide Organe Laktat verwerten; dazu Thiaminmangel (Vitamin B1), bei dem Pyruvat nicht verbrannt werden kann.
  • Medikamente und Gifte: das Diabetesmittel Metformin, bestimmte HIV-Medikamente, Salicylate, Alkohol und Methanol. Bei Metformin steigt das Risiko vor allem bei gleichzeitiger Nierenschwäche.
  • Tumorerkrankungen, bei denen das Tumorgewebe unkontrolliert Laktat bildet, sowie seltene angeborene Störungen des Energiestoffwechsels (Mitochondriopathien) halten den Wert dauerhaft erhöht.

Typische Symptome

  • Schnelle, tiefe Atmung als Versuch, die Säure abzuatmen.
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen.
  • Muskelschwäche, Schwitzen, Unruhe.

Abklärung

Zuerst wird die Probe hinterfragt: Wurde gestaut, gepumpt, lange gelagert, kurz vorher trainiert? Ein zweifelhafter Wert wird aus einer korrekt abgenommenen Probe wiederholt. Ist das Laktat bestätigt erhöht, folgt die Blutgasanalyse mit pH, Bikarbonat und Anionenlücke, dazu Glukose, Kreatinin, Leberwerte und Blutbild; bei Infektionsverdacht Entzündungswerte und Blutkulturen. Warnzeichen: Atemnot, Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung, kalte blasse Haut mit schnellem Puls, Fieber mit Kreislaufschwäche, starke Bauchschmerzen: Notruf 144 oder 112.

Was kann ein niedriger Laktat im Blut-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Ein Laktat im unteren Bereich oder knapp darunter ist bei Ruhe, Nüchternheit und guter Durchblutung normal und hat keine eigene Krankheitsbedeutung.
  • Sehr selten liegen angeborene Stoffwechselstörungen vor, bei denen die Muskeln kein Laktat bilden können, etwa Glykogenspeicherkrankheiten wie das McArdle-Syndrom; sie fallen eher durch Belastungsintoleranz auf.
  • Falsch niedrige Werte können technisch entstehen, zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, die die enzymatische Messung stören, oder durch Verdünnung der Probe aus einem Infusionszugang.

Typische Symptome

  • Keine; ein niedriges Laktat verursacht keine Beschwerden.
  • Bei den seltenen Muskelstoffwechselstörungen: Muskelschmerzen und -krämpfe unter Belastung.
  • Im Zweifel Hinweis auf eine Messstörung, nicht auf eine Erkrankung.

Abklärung

Ein niedriges Laktat braucht in der Regel keine Abklärung. Wichtig wird es nur, wenn es nicht zur Situation passt. Dann wird aus einer frisch abgenommenen Probe wiederholt und geprüft, ob Medikamente oder eine Verdünnung die Messung verfälscht haben. Bei jungen Menschen mit Muskelschmerzen und Krämpfen unter Belastung, bei denen Laktat auch nach Anstrengung kaum ansteigt, kann eine Abklärung auf eine Muskelstoffwechselstörung sinnvoll sein. Warnzeichen wie Atemnot, Verwirrtheit oder Kreislaufkollaps gelten unabhängig vom Laktatwert: Notruf 144 oder 112.

Verlauf unter Therapie

Laktat ist ein schneller Wert. Nach intensivem Sport steigt es innerhalb von Minuten an und ist bei Gesunden rasch wieder rückläufig; bei Menschen mit Leber- oder Stoffwechselerkrankungen bleibt es oft über Stunden erhöht. In der Akutmedizin wird Laktat deshalb wiederholt gemessen. Bei Sepsis und Schock gehört es zu den ersten Werten überhaupt, und die Leitlinien empfehlen, es nach Beginn der Behandlung erneut zu bestimmen: Ein fallendes Laktat spricht dafür, dass Kreislauf und Sauerstoffversorgung sich erholen, ein gleichbleibend hohes oder steigendes Laktat ist mit einer schlechteren Prognose verbunden. Ein anhaltend erhöhtes Laktat bei stabilem Kreislauf lenkt den Blick auf Leber, Medikamente oder Tumorerkrankungen. Für Verlaufsvergleiche muss das Material gleich bleiben: venöses, arterielles und kapilläres Blut liefern systematisch unterschiedliche Zahlen.

Präanalytik: was den Wert beeinflusst

Kaum ein Laborwert hängt so stark von der Abnahme ab. Die Vene sollte möglichst ohne oder nur mit kurzer Stauung punktiert werden; Faustschluss und Pumpen mit der Hand treiben das Laktat im abgenommenen Blut hoch. Mehrere Stunden vor der Abnahme sollte keine sportliche Belastung stattfinden, oft wird zudem eine nüchterne Abnahme empfohlen. Für Plasma wird ein Röhrchen mit Glykolysehemmer (Natriumfluorid) benötigt, weil die roten Blutkörperchen auch im Röhrchen weiter Glukose zu Laktat abbauen; die Probe soll trotzdem rasch ins Labor, da der Hemmstoff erst nach einiger Zeit voll wirkt. Für die Blutgasanalyse wird heparinisiertes Vollblut ohne Hemmstoff verwendet und muss sofort gemessen werden, sonst steigt der Wert schon innerhalb kurzer Zeit deutlich. Für den Vergleich mit dem Referenzbereich muss klar sein, ob venös, arteriell oder kapillär gemessen wurde.

Laktat im Blut: Konstellation mit weiteren Blutwerten

Laktat wird mit der Blutgasanalyse gelesen. Erhöhtes Laktat mit niedrigem pH-Wert, niedrigem Bikarbonat und negativem Base Excess ist eine metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke, die Laktatazidose. Erhöhtes Laktat bei normalem pH-Wert ist eine Hyperlaktatämie, oft nach Belastung oder bei beginnender Kreislaufstörung. Bei Sepsisverdacht kommen Procalcitonin, CRP, Blutbild und Blutkulturen hinzu; ein Laktat über 2 mmol/l trotz Flüssigkeitsgabe gehört zur Definition des septischen Schocks. Steigen Kreatinin und Laktat gemeinsam, ist der Abbau gestört und Medikamente wie Metformin rücken in den Blick. Bei Diabetes wird Laktat gegen Glukose und Ketonkörper gelesen, um eine Ketoazidose von einer Laktatazidose zu unterscheiden. Ein hohes Laktat bei unauffälliger Klinik ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Abnahmefehler.

  • ph-blutgasanalyse — Der pH-Wert trennt die harmlose Hyperlaktatämie von der Laktatazidose.
  • hco3-bikarbonat — Bikarbonat sinkt, wenn Laktat als Säure gepuffert wird; es zeigt die Schwere der metabolischen Azidose.
  • anionenluecke — Laktat ist ein ungemessenes Anion; eine erhöhte Anionenlücke passt zur Laktatazidose.
  • po2-blutgasanalyse — Ein normaler Sauerstoffpartialdruck schließt einen Gewebe-Sauerstoffmangel nicht aus; Laktat deckt ihn auf.
  • glukose — Glukose wird gemeinsam bestimmt, um Ketoazidose, Hypoglykämie und Laktatazidose auseinanderzuhalten.
  • kreatinin — Eine Nierenschwäche verringert den Laktatabbau und erhöht das Risiko unter Metformin.

Wichtiger Einordnungshinweis

Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.

Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert

Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung

Häufige Fragen zu Laktat im Blut

Was bedeutet ein erhöhter Laktatwert im Blut?

Dass Gewebe gerade mehr Laktat bilden, als Leber und Niere abbauen. Häufige harmlose Gründe sind Sport, Stauung oder eine liegen gebliebene Probe; ernste Gründe sind Schock, Sepsis, Sauerstoffmangel, Lebererkrankungen oder Medikamente. Der Zusammenhang entscheidet.

Was ist der Unterschied zwischen Hyperlaktatämie und Laktatazidose?

Hyperlaktatämie heißt: Laktat über 2 mmol/l bei normalem pH-Wert, etwa nach Belastung. Laktatazidose heißt: Laktat deutlich erhöht, meist über 5 mmol/l, und der pH-Wert ist unter 7,35 gefallen. Das ist ein Notfallbefund.

Warum muss ich vor dem Laktattest ruhen und darf die Faust nicht ballen?

Muskelarbeit, auch das Pumpen mit der Hand, bildet Laktat direkt im abgenommenen Blut; Stauung verstärkt den Effekt. Wer kurz vorher trainiert hat, bringt zusätzlich einen erhöhten Grundwert mit.

Steigt Laktat durch Metformin?

Metformin kann den Laktatabbau hemmen. Problematisch wird das vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion oder schwerer akuter Erkrankung, weil dann weniger Laktat abgebaut wird. Die Einnahme wird deshalb ärztlich mit den Nierenwerten abgestimmt.

Warum wird Laktat bei Verdacht auf Sepsis gemessen?

Weil es früh anzeigt, dass die Organe zu wenig Sauerstoff bekommen, bevor der Blutdruck fällt. Ein erhöhtes Laktat ist Teil der Definition des septischen Schocks, und ein fallendes Laktat unter Behandlung ist ein gutes Zeichen.

Quellen

  1. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at) (2022): Laktat (LAKT) – Laborwerte-Tabelle. https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/organe-stoffwechsel/laktat-lakt-hk1.html
  2. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie (2021): Leistungsverzeichnis Laktat FB-PÄ 6 LACT OE-MB (Revision 001, 30.04.2021). https://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/default/09_Sonstige/Klinische-Chemie/Seiteninhalte/Seiteninhalte_L/Laktat_FB-PAE_6_LACT_OE-MB.pdf
  3. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie (2024): Leistungsverzeichnis Lactat im Vollblut FB-PÄ 6 LAVB OE (Revision 003, 10.06.2024). https://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/default/09_Sonstige/Klinische-Chemie/Seiteninhalte/Seiteninhalte_L/Lactat_im_Vollblut_FB-PAE_6_LAVB_OE.pdf
  4. MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise (2025): Laktatazidose. https://www.msdmanuals.com/de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/s%C3%A4ure-basen-regulation-und-st%C3%B6rungen/laktatazidose
  5. MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine (2025): Lactic acid test – Medical Encyclopedia. https://medlineplus.gov/ency/article/003507.htm
  6. DocCheck Flexikon (2025): Lactat. https://flexikon.doccheck.com/de/Lactat
  7. Singer M, Deutschman CS, Seymour CW et al., JAMA 2016;315(8):801-810 (PMC4968574) (2016): The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3). DOI 10.1001/jama.2016.0287 · PMID 26903338. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4968574/
  8. Evans L, Rhodes A, Alhazzani W et al., Intensive Care Medicine 2021 (PMC8486643) (2021): Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock 2021. DOI 10.1007/s00134-021-06506-y. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8486643/