Ab wann ist das Cholesterin zu hoch?
Wo genau die Grenze liegt, kann sich je nach Labor etwas unterscheiden. Viele Labore und Fachquellen nennen für Erwachsene orientierend einen Gesamtwert unter 200 mg/dl als wünschenswert. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund. Ein Wert über der Grenze ist ein Anlass, genauer hinzusehen, aber für sich allein kein Behandlungsziel. Entscheidend sind LDL, HDL, Triglyceride und das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko, zu dem etwa Diabetes oder frühe Herzinfarkte in der Familie beitragen.
Ist ein erhöhtes Gesamtcholesterin gefährlich?
Erhöhtes Cholesterin, vor allem ein hohes LDL, gilt als wesentlicher Risikofaktor für Arteriosklerose, also Ablagerungen in den Gefäßwänden. Daraus können über Jahre Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen der Beine entstehen. Wie viel Gewicht ein einzelner Wert hat, hängt aber von der Zusammensetzung ab. Ein hohes HDL kann die Summe anheben, ohne das Risiko zu erhöhen. Umgekehrt kann ein nur mäßig erhöhter Gesamtwert bei niedrigem HDL und hohem LDL ungünstiger sein. Beschwerden macht erhöhtes Cholesterin meist keine.
Welche Ursachen hat hohes Cholesterin?
Am häufigsten wirken Veranlagung und Lebensstil zusammen: viele gesättigte Fette, Übergewicht und wenig Bewegung. Daneben gibt es Ursachen, die gezielt gesucht werden. Dazu zählen eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, das nephrotische Syndrom, also eine Nierenerkrankung mit hohem Eiweißverlust über den Harn, sowie ein Gallestau. Auch Medikamente wie Kortison, bestimmte Entwässerungsmittel oder Betablocker können Cholesterin anheben. Bei sehr hohen Werten schon in jungen Jahren denken Ärztinnen und Ärzte an die familiäre Hypercholesterinämie, eine erbliche Störung.
Was ist nach einem hohen Cholesterinwert zu tun?
Meist folgt ein vollständiges Lipidprofil mit LDL, HDL und Triglyceriden, falls diese noch nicht bestimmt wurden. Häufig werden auch TSH für die Schilddrüse, Blutzucker sowie Leber- und Nierenwerte geprüft, um andere Ursachen zu erkennen. Danach schätzt die Ärztin oder der Arzt Ihr Herz-Kreislauf-Risiko ein. Davon hängen die LDL-Zielwerte ab, die auf unserer Seite zu erhöhtem LDL genauer erklärt sind. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand von Beschwerden, Begleiterkrankungen und Verlauf. Bei Brustschmerz, Atemnot oder plötzlicher Lähmung ist sofort der Notruf richtig.
Nüchtern oder nicht: was die Messung beeinflusst
Für das Gesamtcholesterin allein ist Nüchternheit weniger wichtig als für die Triglyceride, denn eine übliche Mahlzeit verändert den Wert nur wenig. Viele Labore bestimmen das Lipidprofil heute deshalb auch ohne Nahrungspause. Anders ist es, wenn das LDL rechnerisch aus Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceriden ermittelt wird, mit der sogenannten Friedewald-Formel. Dann verfälschen frisch gestiegene Triglyceride das Ergebnis, und bei sehr hohen Triglyceriden ist die Formel unzuverlässig. Ob Sie nüchtern kommen sollen, sagt Ihnen das Labor.
Cholesterin schwankt auch bei Gesunden von Tag zu Tag etwas. Kleine Unterschiede zwischen zwei Befunden sind deshalb oft bedeutungslos, vor allem wenn verschiedene Labore gemessen haben. Akute Erkrankungen verfälschen den Wert ebenfalls: Bei Entzündungen, nach Operationen oder nach einem Herzinfarkt sinkt das Cholesterin vorübergehend. Eine Messung in solchen Phasen gibt das gewohnte Niveau nicht zuverlässig wieder und wird oft nach einigen Wochen wiederholt. Alkohol in den Tagen vor der Abnahme wirkt vor allem auf die Triglyceride.
Häufige und seltenere Ursachen
In den meisten Fällen steckt keine einzelne Krankheit dahinter. Eine Ernährung mit vielen gesättigten Fetten und Transfetten, Übergewicht, Bewegungsmangel und Insulinresistenz, also ein vermindertes Ansprechen der Zellen auf Insulin, treiben das Cholesterin gemeinsam mit einer erblichen Neigung nach oben. Fachleute sprechen dann von einer polygenen Hypercholesterinämie, weil viele Gene mit jeweils kleinem Effekt beteiligt sind. Rauchen und viel Alkohol verschlechtern das Fettprofil zusätzlich.
Ein Teil der Erhöhungen ist sekundär, also Folge einer anderen Erkrankung. Eine Schilddrüsenunterfunktion bremst den Abbau von LDL; deshalb gehört TSH bei einer neu entdeckten Erhöhung dazu. Beim nephrotischen Syndrom verliert die Niere viel Eiweiß, und die Leber bildet als Gegenreaktion mehr Fetteiweiße. Bei einem Gallestau, etwa bei bestimmten Lebererkrankungen, kann Cholesterin nicht ausreichend über die Galle ausgeschieden werden. Auch Diabetes und chronische Nierenerkrankungen verschieben die Blutfette.
Medikamente kommen ebenfalls infrage. Genannt werden unter anderem Kortison-Präparate, Thiazid-Entwässerungsmittel, manche Betablocker, Ciclosporin und Tacrolimus nach Organtransplantationen sowie bestimmte Mittel gegen HIV. Ob ein Medikament die Ursache ist und ob es geändert werden kann, gehört in ärztliche Hand; setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
Familiäre Hypercholesterinämie: wenn hohes Cholesterin vererbt ist
Bei der familiären Hypercholesterinämie ist meist der LDL-Rezeptor verändert, über den die Leber LDL aus dem Blut aufnimmt. Das LDL ist dann von Geburt an deutlich erhöht, weitgehend unabhängig von Gewicht und Ernährung. Die Veranlagung wird dominant vererbt: Ist ein Elternteil betroffen, kann jedes Kind sie erben. Sie zählt zu den häufigeren erblichen Stoffwechselstörungen.
Hinweise sind ein sehr hohes LDL, Herzinfarkte bei nahen Verwandten in jüngeren Jahren und sichtbare Fettablagerungen: knotige Verdickungen an Sehnen, etwa an der Achillessehne, oder ein weißlicher Ring am Rand der Hornhaut schon vor dem mittleren Lebensalter. Gelbliche Flecken an den Lidern können vorkommen, sind aber nicht beweisend. Für die Einschätzung nutzen Ärztinnen und Ärzte einen Punktescore, manchmal auch eine genetische Untersuchung. Wird die Erkrankung bestätigt, ist es sinnvoll, auch Eltern, Geschwister und Kinder untersuchen zu lassen.
Begleitwerte: welche Werte dazugehören
Das Gesamtcholesterin ist vor allem ein Eingangswert. Aussagekräftiger für das Gefäßrisiko ist das LDL-Cholesterin. Das HDL wird mitbestimmt, weil ein hoher HDL-Anteil die Summe anheben kann, ohne das Risiko zu erhöhen. Die Triglyceride zeigen fettreiche Teilchen aus Leber und Darm an; sind sie hoch und das HDL niedrig, passt das oft zu Insulinresistenz und Bauchfett. Gesamtcholesterin minus HDL ergibt das Non-HDL-Cholesterin, das alle gefäßschädlichen Anteile zusammenfasst.
Bei auffälligen Mustern kommen weitere Werte dazu. Apolipoprotein B, kurz ApoB, zählt die Teilchen, die Cholesterin in die Gefäßwand bringen können. Lipoprotein(a) ist weitgehend erblich festgelegt und wird nach europäischer Empfehlung mindestens einmal im Leben bestimmt. Zur Suche nach Ursachen dienen TSH, Blutzucker und HbA1c, Leberwerte wie alkalische Phosphatase und GGT sowie Kreatinin, Albumin und ein Harnbefund.
Verlauf und Kontrollen
Ein einzelner Wert sagt wenig über den Trend. Kleine Veränderungen zwischen zwei Messungen liegen oft im Bereich der natürlichen Schwankung. Ein deutlicher Sprung nach oben ohne erkennbaren Grund ist dagegen ein Anlass, nach einer Schilddrüsenunterfunktion, einer Gewichtszunahme, neuen Medikamenten oder einem Gallestau zu suchen.
Nach einer Umstellung der Ernährung braucht der Wert einige Wochen, bis er sein neues Niveau erreicht; wann kontrolliert wird, legt die Ärztin oder der Arzt fest. Für einen fairen Vergleich sollten die Messungen unter ähnlichen Bedingungen stattfinden, am besten im selben Labor. Welche Werte erreicht werden sollen, richtet sich nicht nach dem Gesamtcholesterin, sondern nach dem LDL und dem persönlichen Risiko.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein hohes Cholesterin selbst ist kein Notfall und verursacht in der Regel keine Beschwerden. Gefährlich sind seine möglichen Folgen an den Gefäßen. Plötzliche starke Schmerzen oder ein Engegefühl hinter dem Brustbein, die in Hals, Kiefer, Schultern, Arme, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen können, dazu Atemnot, kalter Schweiß oder Übelkeit, können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Eine plötzliche Lähmung einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen sprechen für einen Schlaganfall. In beiden Fällen ist sofort der Notruf zu wählen.
Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes verläuft ein Herzinfarkt manchmal untypisch, etwa nur mit Atemnot, Übelkeit oder Oberbauchschmerzen. Zeitnah, aber nicht notfallmäßig, sollten Sie einen erhöhten Wert besprechen, wenn Sie bei Belastung ein Druckgefühl in der Brust bemerken, Fettablagerungen an Sehnen haben, nahe Verwandte früh einen Herzinfarkt hatten oder Sie Diabetes haben.
Häufige Fragen
Ist ein Gesamtcholesterin über 200 mg/dl automatisch gefährlich?
Nein. Ein Wert über 200 mg/dl ist ein Anlass, die Einzelwerte genauer anzusehen, aber keine Diagnose. Entscheidend sind LDL, HDL, Triglyceride und Ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko, zu dem etwa Diabetes oder frühe Herzinfarkte in der Familie beitragen. Derselbe Gesamtwert ist bei hohem HDL und niedrigem LDL anders zu bewerten als bei niedrigem HDL und hohem LDL.
Warum ist mein Cholesterin hoch, obwohl ich schlank bin?
Cholesterin hängt stark von der Veranlagung ab. Bei der familiären Hypercholesterinämie ist das LDL weitgehend unabhängig vom Gewicht deutlich erhöht. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Nierenerkrankung mit Eiweißverlust, ein Gallestau oder Medikamente wie Kortison können den Wert anheben. Deshalb gehören zur Abklärung meist TSH, Leber- und Nierenwerte sowie die Frage nach Herzerkrankungen in der Familie.
Muss ich für die Cholesterinmessung nüchtern sein?
Für das Gesamtcholesterin allein meist nicht, weil eine übliche Mahlzeit den Wert nur wenig verändert. Anders bei den Triglyceriden: Sie steigen nach dem Essen deutlich an. Wird das LDL aus Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceriden berechnet, kann eine Mahlzeit vor der Abnahme das Ergebnis verfälschen. Halten Sie sich an die Vorgabe Ihres Labors; Wasser ist in der Regel erlaubt.
Welcher Wert ist wichtiger: Gesamtcholesterin oder LDL?
Für Behandlungsentscheidungen zählt das LDL-Cholesterin deutlich mehr. Die europäischen Leitlinien legen Zielwerte für das LDL fest, die sich nach dem persönlichen Risiko richten; für das Gesamtcholesterin gibt es kein eigenes Behandlungsziel mehr. Das Gesamtcholesterin bleibt aber ein nützlicher erster Hinweis. Bei hohen Triglyceriden können Non-HDL-Cholesterin oder ApoB zusätzlich hilfreich sein.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich: Cholesterin (Laborwert)
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Dyslipidämie
- DocCheck Flexikon: Hypercholesterinämie
- MedlinePlus (NIH): Cholesterol Levels
- Gesundheitsportal Österreich: Herzinfarkt – Symptome
- Gesundheitsportal Österreich: Schlaganfall – Symptome
Referenzbereiche sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.
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