Was bedeutet ein erhöhter Kaliumwert?
Fachleute sprechen von Hyperkaliämie, wenn mehr Kalium im Blut gemessen wird als im Referenzbereich vorgesehen. Für Erwachsene liegt dieser im Serum bei ca. 3,5–5,1 mmol/l, die Obergrenze schwankt je nach Labor etwa zwischen 5,0 und 5,5 mmol/l. Maßgeblich ist immer der Bereich Ihres Labors. Weil Kalium die elektrische Arbeit von Herz, Nerven und Muskeln mitbestimmt, wird ein erhöhter Wert ernst genommen.
Wie stark ist das Kalium erhöht?
Der Europäische Rat für Wiederbelebung stuft so ein: 5,5–5,9 mmol/l gelten als leichte, 6,0–6,4 mmol/l als mittelgradige, Werte ab 6,5 mmol/l als schwere Hyperkaliämie. Schwere Werte sind ein Notfall, besonders bei Veränderungen im EKG, der Herzstromkurve. Liegt Ihr Wert über der Obergrenze Ihres Labors, aber unter 5,5 mmol/l, fällt er nicht in diese Einteilung. Ein solcher Einzelwert ohne erkennbare Ursache geht häufig auf die Blutabnahme zurück und wird meist kontrolliert.
Welche Ursachen stecken hinter hohem Kalium?
Häufig ist der Wert nur in der Probe erhöht, weil Kalium nach der Abnahme aus Zellen austritt. Bei echten Erhöhungen steht eine eingeschränkte Nierenfunktion an erster Stelle. Dazu kommen Medikamente, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System bremsen, kaliumsparende Entwässerungsmittel, Kaliumpräparate oder Salzersatz. Seltener sind ein Mangel am Hormon Aldosteron oder eine Verschiebung aus den Zellen bei Zellzerfall oder Übersäuerung.
Was ist nach einem hohen Kaliumwert zu tun?
Passt der Wert nicht zum Gesamtbild, wird meist mit schonender Abnahme kontrolliert. Bestätigt sich die Erhöhung, bewertet die Ärztin oder der Arzt Kalium gemeinsam mit Kreatinin und eGFR, der geschätzten Filterleistung der Nieren, sowie Blutzucker und Säure-Basen-Haushalt und lässt meist ein EKG schreiben. Wichtig ist eine vollständige Liste Ihrer Medikamente; Änderungen daran gehören in ärztliche Hand. Bei Werten ab 6,5 mmol/l oder Herzbeschwerden ist rasche Hilfe nötig.
Falsch hohe Werte: Störfaktoren bei der Blutabnahme
Kalium steckt fast vollständig in den Zellen, rund 98 Prozent, im Blut nur etwa 2 Prozent. Tritt nach der Abnahme auch nur ein kleiner Teil aus den Zellen aus, steigt der Messwert. Man spricht dann von Pseudohyperkaliämie, also einer scheinbaren Erhöhung. Pumpt man während der Abnahme mehrfach mit der Faust, geben die arbeitenden Muskeln Kalium ab; der Wert kann so um mehr als 1 mmol/l steigen.
Weitere Störfaktoren sind eine lange Stauung, eine sehr dünne Nadel, kräftiges Aufziehen oder Schütteln der Röhrchen. Dabei können rote Blutkörperchen platzen, was Fachleute Hämolyse nennen; sie enthalten viel Kalium. Auch eine zu spät zentrifugierte oder im Kühlschrank gelagerte Vollblutprobe liefert zu hohe Werte. Werden die Röhrchen in falscher Reihenfolge befüllt, kann Kalium-EDTA, ein gerinnungshemmender Zusatz in manchen Röhrchen, in die Probe gelangen und die Messung verfälschen.
Serum oder Plasma: warum die Probenart zählt
Bei der Gerinnung im Röhrchen geben Blutplättchen Kalium ab. Deshalb liegt Kalium im Serum meist einige Zehntel mmol/l höher als im Plasma, bei dem die Gerinnung verhindert wird. Sind Blutplättchen oder weiße Blutkörperchen stark vermehrt, kann der Unterschied deutlich größer ausfallen. Ein hohes Kalium bei sehr hohen Thrombozyten oder Leukozyten ohne Nierenerkrankung spricht daher eher für eine scheinbare Erhöhung.
Für die Kontrolle wird deshalb oft eine sorgfältige Abnahme ohne Faustpumpen gewählt, manchmal mit Plasma oder im Blutgasanalysator, einem Gerät, das direkt aus Vollblut misst. Verlaufswerte lassen sich am besten vergleichen, wenn dieselbe Probenart verwendet wird, also Serum mit Serum oder Plasma mit Plasma. Nüchtern müssen Sie für die Kaliumbestimmung nicht sein. Wichtiger sind eine kurze Stauung und eine rasche Verarbeitung der Probe im Labor.
Häufige und seltene Ursachen einer echten Erhöhung
Die häufigste echte Ursache ist eine eingeschränkte Nierenfunktion, denn die Niere scheidet rund 90 Prozent des Kaliums aus. Das gilt für die chronische Nierenerkrankung ebenso wie für ein akutes Nierenversagen. Besonders gefährdet sind Menschen, die zusätzlich Medikamente einnehmen, welche Kalium im Körper halten. Dazu zählen ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorblocker, Spironolacton und verwandte Wirkstoffe sowie kaliumsparende Entwässerungsmittel. Auch entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR), das Antibiotikum Trimethoprim und der Gerinnungshemmer Heparin können Kalium erhöhen; mehrere solche Mittel zusammen steigern das Risiko deutlich.
Kalium kann auch durch Zufuhr steigen, etwa über Kaliumpräparate, kaliumhaltigen Salzersatz oder Infusionen, vor allem wenn die Nieren schwächer arbeiten. Seltener steckt ein Mangel an Aldosteron dahinter, einem Hormon der Nebenniere, das die Kaliumausscheidung fördert. Er kommt bei Morbus Addison vor, einer Unterfunktion der Nebennierenrinde, und in einer besonderen Form häufig bei Diabetes mellitus.
Schließlich kann Kalium aus den Zellen ins Blut verschoben werden. Das geschieht bei Insulinmangel mit stark erhöhtem Blutzucker, bei einer Übersäuerung des Blutes, der metabolischen Azidose, sowie bei Zellzerfall. Beispiele sind Muskelzerfall, schwere Verbrennungen oder der rasche Zerfall von Tumorzellen unter Chemotherapie. Hier zeigen meist andere Laborwerte, etwa Blutzucker oder Kreatinkinase, woher das Kalium stammt.
Begleitwerte: typische Konstellationen
Kalium wird nie allein beurteilt. Am häufigsten zeigt sich ein hohes Kalium zusammen mit einem erhöhten Kreatinin und einer eingeschränkten eGFR, der geschätzten Filterleistung der Nieren. Die eGFR hilft auch einzuschätzen, wie groß das Risiko unter Blutdrucksenkern wie ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptorblockern ist. Ein hoher Blutzucker bei Insulinmangel kann Kalium ebenfalls anheben, weil Insulin Kalium normalerweise in die Zellen bringt.
Hohes Kalium mit niedrigem Natrium, niedrigem Blutdruck und Müdigkeit lenkt den Blick auf die Nebenniere. Sind Bicarbonat, ein Puffer im Blut, und pH-Wert erniedrigt, liegt eine Übersäuerung vor; dann kann Kalium aus den Zellen verschoben sein oder eine Nierenursache dahinterstehen. Eine stark erhöhte Kreatinkinase, ein Muskelenzym, spricht für Muskelzerfall als Quelle. Sehr hohe Thrombozyten oder Leukozyten bei gesunden Nieren deuten dagegen auf einen Messeffekt hin.
Verlauf und Kontrollen
Kalium kann sich innerhalb von Stunden verändern. Ein einzelner leicht erhöhter Wert ohne erkennbare Ursache geht häufig auf die Probenabnahme zurück und wird vor weiteren Schritten kontrolliert. Wer neu mit ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptorblockern oder Spironolacton und verwandten Mitteln beginnt oder die Dosis erhöht bekommt, erhält meist nach ein bis zwei Wochen eine Kontrolle von Kalium und Kreatinin, bei schwächeren Nieren auch häufiger.
Wird eine akute Erhöhung ärztlich behandelt, sinkt Kalium oft zunächst rasch, weil es in die Zellen verschoben wird. Dieser Effekt hält nur begrenzt an. Deshalb folgen weitere Messungen, bis sicher ist, dass der Körper das überschüssige Kalium auch ausscheidet. Auch unter entwässernden Medikamenten, den Diuretika, wird Kalium regelmäßig überwacht, weil sie den Wert je nach Wirkstoff verändern können.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein erhöhtes Kalium verursacht oft lange keine Beschwerden. Möglich sind Muskelschwäche, Kribbeln oder Taubheitsgefühle sowie ein langsamer oder unregelmäßiger Puls und Herzstolpern. Im EKG wird typischerweise die T-Welle, ein Abschnitt der Herzstromkurve, hoch und spitz; bei schweren Formen verbreitert sich der QRS-Komplex, der die Erregung der Herzkammern abbildet. Eine schwere Hyperkaliämie kann lebensbedrohliche Rhythmusstörungen bis zum Herzstillstand auslösen. Gefährlich sind auch geringere Erhöhungen, wenn sie rasch entstehen oder eine Herzerkrankung besteht.
Ein Wert ab 6,5 mmol/l gilt als Notfall, ebenso ein erhöhtes Kalium mit EKG-Veränderungen. Zeigt der Befund einen deutlich erhöhten Wert und treten zugleich Herzstolpern, ein sehr langsamer Puls oder ausgeprägte Muskelschwäche auf, ist der Notruf richtig. Leicht erhöhte Werte ohne Beschwerden sollten zeitnah mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt besprochen werden, vor allem bei Nierenerkrankung oder kaliumsparenden Medikamenten.
Häufige Fragen
Kann ein zu hoher Kaliumwert harmlos sein?
Ja, das kommt häufig vor. Oft ist der Wert nur in der Probe erhöht, etwa durch Faustpumpen, lange Stauung, geplatzte rote Blutkörperchen oder eine zu spät verarbeitete Probe. Passt der Wert nicht zum Gesamtbild, wird er deshalb meist mit schonender Abnahme kontrolliert. Ob eine echte Erhöhung vorliegt, lässt sich erst nach dieser Kontrolle und im Zusammenhang mit Nierenwerten und Medikamenten beurteilen.
Ab welchem Kaliumwert wird es gefährlich?
Ab 6,5 mmol/l spricht man von einer schweren Hyperkaliämie. Das ist ein Notfall, vor allem wenn das EKG schon Veränderungen zeigt. Als mittelgradig gelten 6,0–6,4 mmol/l, als leicht 5,5–5,9 mmol/l; diese Abstufung stammt vom Europäischen Rat für Wiederbelebung. Auch ein geringerer Anstieg kann bedrohlich werden, wenn er sich schnell entwickelt, das Herz bereits vorgeschädigt ist oder das EKG auffällt.
Welche Medikamente können Kalium erhöhen?
Dazu gehören vor allem ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker gegen Bluthochdruck, Spironolacton und verwandte Wirkstoffe, kaliumsparende Entwässerungsmittel, Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR, Trimethoprim und Heparin. Das Risiko steigt, wenn die Nieren schwächer arbeiten oder mehrere dieser Mittel zusammenkommen. Ob und wie die Medikation angepasst wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Welche Blutwerte werden bei hohem Kalium mitbestimmt?
Üblich sind Kreatinin und eGFR für die Nierenfunktion, dazu Blutzucker sowie Bicarbonat und pH-Wert für den Säure-Basen-Haushalt. Natrium hilft bei der Suche nach hormonellen Ursachen wie einer Unterfunktion der Nebenniere. Die Kreatinkinase zeigt, ob Muskelzerfall Kalium freisetzt. Ein Blutbild mit Thrombozyten und Leukozyten kann einen Messeffekt erklären. Zusätzlich wird meist ein EKG geschrieben.
Passende Vertiefung
Mehrere Werte gemeinsam einordnen
Mit dem Blutbefund-Inspektor können Sie Ihren Kaliumwert gemeinsam mit den übrigen Werten Ihres Befunds einordnen lassen.
Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung