Was ist Aldosteron im Blut?
Aldosteron ist ein Steroidhormon aus der äußeren Schicht der Nebennierenrinde, der Zona glomerulosa. Es wirkt vor allem an der Niere: In Sammelrohren und distalen Tubuli steigert es die Rückgewinnung von Natrium und Wasser und fördert die Ausscheidung von Kalium und Säure. Mehr Natrium bedeutet mehr Flüssigkeit im Gefäßsystem, also mehr Blutvolumen und höheren Blutdruck. Gesteuert wird es hauptsächlich über das Renin-Angiotensin-System: Fällt Blutdruck oder Volumen, schüttet die Niere Renin aus, daraus entsteht Angiotensin II, und dieses treibt die Aldosteronbildung an. Zusätzlich stimulieren ein hohes Kalium und, in geringerem Maß, ACTH die Freisetzung. Im Blut ist Aldosteron teils frei, teils an Eiweiße gebunden; die Leber inaktiviert es rasch. Gemessen wird es im EDTA-Plasma oder Serum mit einem Immunoassay, in ng/l (gleichbedeutend mit pg/ml) oder ng/dl. Erst der Vergleich mit Renin zeigt, ob die Nebenniere auf einen Befehl reagiert oder selbständig produziert.
Bedeutung im Stoffwechsel
Aldosteron und Renin bilden einen Regelkreis mit Rückkopplung. Normalerweise ist viel Aldosteron die Folge von viel Renin, etwa bei Salzmangel, Flüssigkeitsverlust, Herzschwäche oder Leberzirrhose. Das ist der sekundäre Hyperaldosteronismus: beide Werte hoch. Beim primären Hyperaldosteronismus, dem Conn-Syndrom, produziert die Nebennierenrinde aus eigenem Antrieb, durch ein Adenom oder eine beidseitige Vergrößerung. Dann ist Aldosteron hoch oder hoch-normal, während Renin durch die Salz- und Wasserretention unterdrückt wird. Dieses Missverhältnis fängt der Aldosteron-Renin-Quotient ein. Die Kehrseite ist der Mangel: Fehlt Aldosteron, etwa bei Morbus Addison, geht Natrium verloren, Kalium steigt, der Blutdruck fällt. Kalium wirkt in beide Richtungen: Ein hohes Kalium regt die Aldosteronbildung an, ein niedriges bremst sie und kann den Quotienten falsch niedrig ausfallen lassen.
Referenzbereich
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene, aufrechte Körperposition | 37 – 432 | ng/l (= 3,7 – 43,2 ng/dl) |
| Erwachsene, liegend nach Ruhe | niedriger als aufrecht; Obergrenze je Verfahren klar unter dem Wert im Stehen | ng/l |
| Frauen in der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) | höher als in der ersten Zyklushälfte | ng/l |
| Verdacht auf primären Hyperaldosteronismus | hoch-normal oder erhöht bei unterdrücktem Renin | ng/l |
| Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ) | Grenzwert methoden- und einheitenabhängig, vom Labor festgelegt | je nach Labor, z. B. (ng/l)/(ng/l) |
Methode & Variabilität: Erwachsene, aufrechte Körperposition: Chemilumineszenz-Immunoassay, EDTA-Plasma; Herstellerbereich eines Chemilumineszenz-Tests (2,5.–97,5. Perzentile), genannt von einer Uniklinik (aufrecht) und einem Großlabor; andere Verfahren: Obergrenze im Sitzen/Stehen etwa 230 ng/l; laborabhängig · Erwachsene, liegend nach Ruhe: Immunoassay, EDTA-Plasma oder Serum; Dauer des Liegens und Tageszeit verschieben den Wert; Körperlage sollte auf dem Befund stehen · Frauen in der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase): Immunoassay; Der Aldosteron-Renin-Quotient kann in dieser Phase über dem Grenzwert liegen; Bestimmung bevorzugt in der Follikelphase · Verdacht auf primären Hyperaldosteronismus: Immunoassay, zusammen mit Renin; Ein Aldosteron im Referenzbereich schließt die Erkrankung nicht aus; entscheidend ist das Verhältnis zu Renin · Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ): Rechenwert aus Aldosteron und Renin derselben Abnahme; Einheiten und Reninverfahren ändern die Zahl; Quotienten verschiedener Labore sind nicht vergleichbar
Quellen zu diesen Werten: siehe Abschnitt Quellen. Labore verwenden teils abweichende Bereiche; maßgeblich ist Ihr Befund.
Was kann ein erhöhter Aldosteron im Blut-Wert bedeuten?
Häufige Ursachen
- Primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom): Ein Adenom oder eine beidseitige Vergrößerung der Nebennierenrinde produziert Aldosteron unabhängig von Renin. Typisch sind Bluthochdruck, der schlecht auf Medikamente anspricht, und ein niedriges Renin; das Kalium ist nur bei einem Teil der Betroffenen erniedrigt.
- Sekundärer Hyperaldosteronismus: Herzschwäche, Leberzirrhose, Nierenerkrankungen, Flüssigkeitsmangel oder eine Schwangerschaft treiben Renin hoch, und die Nebenniere folgt. Aldosteron und Renin sind dann beide erhöht.
- Abnahmebedingungen: Blutabnahme im Stehen oder nach Bewegung, salzarme Kost, Entwässerungsmittel und die zweite Zyklushälfte heben den Wert, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.
Typische Symptome
- Bluthochdruck, oft schon in jungen Jahren oder trotz mehrerer Medikamente.
- Bei niedrigem Kalium: Muskelschwäche, Krämpfe, Kribbeln, vermehrtes Wasserlassen und Durst.
- Kopfschmerzen, Herzstolpern.
Abklärung
Ein hoher Wert wird nie allein beurteilt. Zuerst zählen die Abnahmebedingungen: Körperlage, Uhrzeit, Salzzufuhr, Kalium, Medikamente. Dann folgt der Aldosteron-Renin-Quotient. Ist er auffällig, zeigt ein Bestätigungstest, meist eine Kochsalzinfusion, ob sich Aldosteron unterdrücken lässt; bei autonomer Produktion fällt es nicht ab. Erst danach folgen Bildgebung und gegebenenfalls eine seitengetrennte Blutentnahme aus den Nebennierenvenen. Warnzeichen: ausgeprägte Muskelschwäche oder Lähmungsgefühl, Herzrhythmusstörungen mit Schwindel oder Ohnmacht, sehr hoher Blutdruck mit Kopfschmerz, Sehstörung oder Brustschmerz. Dann Notruf 144 oder 112.
Was kann ein niedriger Aldosteron im Blut-Wert bedeuten?
Häufige Ursachen
- Primäre Nebennierenunterfunktion (Morbus Addison): Die Nebennierenrinde ist zerstört oder geschädigt, meist autoimmun, seltener durch Infektionen. Aldosteron und Cortisol fehlen zugleich, Renin ist hoch, Natrium fällt, Kalium steigt.
- Angeborene Enzymdefekte der Nebennierenrinde (adrenogenitales Syndrom) können die Aldosteronbildung blockieren; sie fallen meist schon im Säuglingsalter auf.
- Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) können den Wert senken; ACE-Hemmer, Sartane und Betablocker verändern Aldosteron und Renin und damit den Quotienten. Auch ein niedriges Kalium dämpft die Aldosteronfreisetzung und wird vor einer Wiederholungsmessung ausgeglichen.
- Niedriges Aldosteron bei gleichzeitig niedrigem Renin spricht für einen anderen Mineralokortikoid-Überschuss, etwa durch viel Lakritze, ein Cushing-Syndrom oder seltene Nierenkanal-Störungen.
Typische Symptome
- Niedriger Blutdruck, Schwindel beim Aufstehen, Appetitlosigkeit.
- Müdigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit; bei Morbus Addison oft bräunliche Hautverfärbung.
- Bei hohem Kalium: Muskelschwäche, Kribbeln, Herzrhythmusstörungen.
Abklärung
Niedriges Aldosteron wird zusammen mit Renin, Natrium, Kalium und Cortisol eingeordnet. Hohes Renin bei niedrigem Aldosteron weist auf die Nebenniere selbst, niedriges Renin auf eine Störung oberhalb oder einen anderen Mineralokortikoid-Effekt. Medikamente werden durchgesehen, weil Blutdruck- und Schmerzmittel Aldosteron und Renin verändern. Bei Verdacht auf Nebennierenunterfunktion folgen Cortisol und ACTH. Warnzeichen einer Nebennierenkrise: starke Schwäche, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kreislaufkollaps, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung, besonders bei Infekten oder nach Absetzen von Kortisonpräparaten. Dann Notruf 144 oder 112.
Verlauf unter Therapie
Aldosteron ist ein kurzlebiges Hormon. Es wird in der Leber rasch inaktiviert, und der Spiegel schwankt im Tagesverlauf: früh morgens am höchsten, spät abends am niedrigsten. Er steigt, wenn Sie aufstehen, sich bewegen oder wenig Salz essen. Aussagekräftig ist nur die Wiederholung unter gleichen Bedingungen. Ein auffälliger Quotient wird in der Regel nicht einfach nachgemessen, sondern durch einen Bestätigungstest geprüft. Ist der erste Quotient unauffällig, der Verdacht aber groß, wird nach Anpassung der Medikation erneut bestimmt; Mineralokortikoid-Antagonisten müssen dafür mehrere Wochen vorher abgesetzt werden, was nur ärztlich entschieden wird. Nach einer Operation an der Nebenniere oder unter Aldosteron-Blockern legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt fest, welche Werte kontrolliert werden; Blutdruck und Kalium gehören dazu. Bei Nebennierenunterfunktion steuern Beschwerden, Blutdruck, Natrium, Kalium und Renin die ärztlich verordnete Behandlung.
Präanalytik: was den Wert beeinflusst
Üblich ist die Abnahme am Morgen, etwa zwei Stunden nach dem Aufstehen, nach einigen Minuten ruhigen Sitzens; manche Labore nehmen zusätzlich oder stattdessen im Liegen ab. Die Körperlage sollte vermerkt werden, weil Aldosteron im Stehen deutlich höher ist. In den Tagen davor gilt normale Salzzufuhr, etwa 3 bis 4,5 Gramm am Tag; salzarme Kost treibt den Wert hoch. Das Kalium sollte im Normalbereich liegen, da ein Mangel Aldosteron senkt. Medikamente verändern das Ergebnis erheblich: Spironolacton, Eplerenon und kaliumsparende Entwässerungsmittel müssen für eine aussagekräftige Messung etwa vier Wochen vorher abgesetzt sein, Betablocker, ACE-Hemmer, Sartane und NSAR mindestens eine Woche. Das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt; ein Screening ist auch unter Blutdruckbehandlung möglich. Lakritze meiden. Renin wird aus EDTA-Plasma bestimmt, das nicht im Kühlschrank liegen darf, weil Kälte Prorenin aktiviert; die Probe wird rasch verarbeitet und tiefgefroren transportiert.
Aldosteron im Blut: Konstellation mit weiteren Blutwerten
Das Muster zählt mehr als die Zahl. Aldosteron hoch, Renin niedrig, Kalium niedrig oder normal, Blutdruck hoch: das Bild eines primären Hyperaldosteronismus, oft mit leicht erhöhtem Bikarbonat (Alkalose). Aldosteron hoch, Renin hoch: sekundäre Form, der Blick geht zu Herz, Leber, Niere und Flüssigkeitshaushalt; Kreatinin und eGFR gehören dazu. Aldosteron niedrig, Renin hoch, Natrium niedrig, Kalium hoch: Verdacht auf Nebennierenunterfunktion, Cortisol und ACTH folgen. Aldosteron und Renin beide niedrig bei Bluthochdruck und niedrigem Kalium: ein anderer Mineralokortikoid-Effekt, etwa Lakritze oder Cushing-Syndrom. Betablocker senken Renin und können den Quotienten falsch hoch machen; ACE-Hemmer, Sartane und Entwässerungsmittel heben Renin und können ihn falsch niedrig machen. Ohne Angaben zu Lage, Uhrzeit und Medikation bleibt jeder Quotient vorläufig.
- kalium — Kalium ist die wichtigste Begleitgröße: niedrig bei Aldosteron-Überschuss, hoch bei Mangel; ein Mangel verfälscht den Quotienten.
- natrium — Natrium zeigt Salz- und Wasserhaushalt; es fällt bei Aldosteronmangel.
- hco3-bikarbonat — Ein erhöhtes Bikarbonat (Alkalose) passt zu einem Aldosteron-Überschuss.
- cortisol — Cortisol wird mitbestimmt, wenn eine Nebennierenunterfunktion oder ein Cushing-Syndrom im Raum steht.
- acth — ACTH ordnet bei niedrigem Cortisol und Aldosteron ein, ob die Störung in der Nebenniere oder oberhalb liegt.
- kreatinin — Kreatinin und eGFR helfen, einen sekundären Hyperaldosteronismus durch Nierenerkrankung einzuordnen.
Wichtiger Einordnungshinweis
Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.
Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?
Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.
Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert
Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.
Zur vollständigen Blutbefund-EinordnungHäufige Fragen zu Aldosteron im Blut
Was ist ein normaler Aldosteronwert?
Das hängt von Körperlage und Verfahren ab. Ein automatisierter Chemilumineszenz-Test nennt für Erwachsene im Stehen 37 bis 432 ng/l, im Liegen deutlich weniger. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Was ist der Aldosteron-Renin-Quotient?
Aldosteron geteilt durch Renin aus derselben Blutprobe. Ein hoher Quotient heißt: viel Aldosteron bei wenig Renin, die Nebenniere produziert ohne Auftrag. Der Grenzwert hängt von Einheiten und Methode ab und wird vom Labor angegeben.
Muss ich Blutdruckmittel vor dem Test absetzen?
Nicht auf eigene Faust. Spironolacton und verwandte Mittel verfälschen den Quotienten stark, andere Blutdruckmittel weniger. Was pausiert wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt.
Kann Aldosteron erhöht sein, wenn das Kalium normal ist?
Ja. Viele Menschen mit primärem Hyperaldosteronismus haben ein normales Kalium. Ein normales Kalium schließt die Erkrankung also nicht aus; der Quotient aus Aldosteron und Renin ist der eigentliche Suchtest.
Was bedeutet niedriges Aldosteron?
Zusammen mit hohem Renin, niedrigem Natrium und hohem Kalium weist es auf eine Nebennierenunterfunktion hin. Niedrige Werte entstehen aber auch durch ein niedriges Kalium oder durch Medikamente, etwa entzündungshemmende Schmerzmittel; Blutdruckmittel verändern Aldosteron und Renin.
Quellen
- Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie (2024): Leistungsverzeichnis Aldosteron (FB-PÄ 6 OE, Revision 005). https://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/default/09_Sonstige/Klinische-Chemie/Seiteninhalte/Seiteninhalte_A/Aldosteron_FB-PAE_6_OE.pdf
- DocCheck Flexikon (2026): Aldosteron im Serum. https://flexikon.doccheck.com/de/Aldosteron_im_Serum
- MSD Manual Profi-Ausgabe (2026): Primärer Hyperaldosteronismus. https://www.msdmanuals.com/de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/st%C3%B6rungen-der-nebenniere/prim%C3%A4rer-hyperaldosteronismus
- MedlinePlus (U.S. National Library of Medicine) (2026): Aldosterone Test. https://medlineplus.gov/lab-tests/aldosterone-test/
- MVZ Labor Suhl (2021): Laboraktuell: Aldosteron-Renin-Quotient im Rahmen der Hypertonieabklärung. https://www.labor-suhl.de/fileadmin/downloads/Arztinformationen/LaborAktuell/ARQ.pdf
- Medicover Diagnostics (2024): Laborparameter: Stabilität und Referenzwerte. https://www.medicover.de/upload/probenstabilitaet-referenzwerte.pdf